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Grattis på födelsedagen Sven Nordqvist

Gesa Füßle (Skandinavistin und Redaktionsmitglied) hat für das Buecherkinder-Blog ein Geburtstagsinterview mit dem Petterson-Erfinder Sven Nordqvist geführt. Im Schwedischen duzt man sich, daher fragte Gesa bei Sven Nordqvist nach, wie sie die Anrede übersetzen soll. Die Antwort war eindeutig: „Du sollst du sagen.“

Deine Zeichnungen sind wie ein gemalter Film, z. B. gibt es Findus oft mehrfach auf einem Bild. Wie machst du das, wenn du so ein Bild zeichnest? Zeichnest du Findus in seiner Bewegung? Z. B. wenn er von links nach rechts springt, zeichnest du ihn dann erst auf der linken und dann auf der rechten Seite? Oder hast du das Bild so genau in deinem Kopf, dass du überall anfangen kannst zu zeichnen?

Zuerst skizziere ich immer das ganze Bild, und dann zeichne ich die Figuren rein, wo ich finde, dass sie sein sollen, und probiere aus, welche Pose sie einnehmen sollen. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, wie ich es in so einem bestimmten Fall mache. Vermutlich sehe ich beim Zeichnen, wo der nächste Findus sein soll, und wo dann der nächste … Wenn es nicht gut aussieht, verschiebe ich sie ein bisschen und probiere andere Posen aus.

Aus: Sven Nordquist "Eine Bilderreise"

Aus: Sven Nordquist „Eine Bilderreise“, erschienen im Oetinger Verlag

Ist es einfacher, deine eigenen Bücher zu illustrieren, wenn niemand dir sagt, wie das Bild aussehen muss?

Ja, ich muss nicht so viel herumüberlegen, wenn ich meine eigenen Bücher mache. Ich muss nicht so viel darüber nachdenken, ob es vielleicht irgendwie komisch wird oder nicht „ordentlich“ genug. Aber ich bekomme normalerweise auch keine genauen Beschreibungen darüber, wie es aussehen soll.

Wenn du ein neues Buch schreibst, hast du die Geschichte fertig (im Kopf oder als Manuskript), bevor du anfängst zu zeichnen? Wie muss man sich den Ablauf vorstellen?

Ich schreibe immer zuerst den Text, außer als ich „Wo ist meine Schwester?“ gemacht habe, das eigentlich ganz ohne Text sein sollte. Aber während ich über den Text nachdenke, sehe ich Bilder in meinem Kopf, und die sind es auch, die ich dann benutze, wenn ich mit dem Skizzieren anfange.

Den Handlungsverlauf sehe ich in Bildern, während ich darüber nachdenke, und dann übersetze ich diese Bilder in Text. Es gibt viele Dialoge in meinen Büchern und wenn ich schreibe, denke ich nur in Wörtern.

Mein Sohn ist sechs Jahre alt und mag besonders dein Buch „Bilderreise“ – weil die Bilder so unterschiedlich sind. Welche Art Bilder zu zeichnen/malen magst du selbst am liebsten?

Bei den meisten Illustrationen habe ich die Konturen mit Filzstift gemalt und mit Aquarellfarbe eingefärbt. Das finde ich am einfachsten, aber manchmal langweilt mich das ein bisschen, weil alles so gleich wird. Dann mag ich es, mich an Acryl zu versuchen oder mit Pinsel und Farbe zu zeichnen. Ölmalerei macht auch Spaß, aber ich habe noch kein Buch in Öl gemacht. Das ist bei Details zu schwierig und schmierig.

Was ich bei Radierungen toll finde, ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, das Schwarz in verschiedenen Nuancen darzustellen. Aber das ist eine umständliche Prozedur und auch blöd zu drucken, finde ich.

Die Bilder in „Wo ist meine Schwester?“ sind sehr detailliert. Es hat ja sehr lang gedauert (anderthalb Jahre!), dieses Buch zu machen. Bist du ein geduldiger Mensch?

Ja, das muss ich schon sagen. Aber am meisten mag ich es, lange an einem Bild zu sitzen und ganz genau zu sein und mein Bestes zu geben.

Bekommst du Briefe von deinen LeserInnen? Wie fühlt es sich an, dass so viele Kinder deinen Namen kennen? Wie viele Fotos von Kindern im Finduskostüm hast du bisher bekommen?

Sven Nordqvist - Foto ©Alexander Lagergren

Sven Nordqvist
© Alexander Lagergren

Ich bekomme nicht viele Briefe von Einzelpersonen, vielleicht 5 bis 10 pro Jahr. Tatsächlich kommen die meisten aus Deutschland. Und es ist gut, dass es so wenig sind, weil ich nicht so gern Briefe beantworte. Aber manchmal kommt ein ganzer Packen von Schülern einer Schulklasse, die mit meinen Büchern gearbeitet haben, und die mir zeigen wollen, was sie geschrieben und gezeichnet haben. Es macht mich froh und es schmeichelt mir, wenn Kinder oder Erwachsene mir zeigen, dass sie meine Bücher mögen.

Ich habe ein paar Fotos von verkleideten Findussen bekommen, aber nicht viele. Ein paar habe ich an der Wand neben meinem Arbeitsplatz. Besonders über eins freue ich mich jedes Mal wieder, wenn ich es sehe.

Außerdem habe ich etwa genauso viele Briefe von Frauen bekommen, die finden, dass ihr Mann genau wie Petterson ist.

Wie sieht dein Weihnachtsbaum aus? Gibt es an ihm genau so viel zu sehen wie auf deinen Illustrationen?

Er ist, bilde ich mir ein, ziemlich altmodisch, mit Anhängern aus Stroh oder Papier und mit roten Glaskugeln. Kein Glitter. Elektrische Lichterkette. Nicht so viel komisches Zeug wie in Pettersons Tanne.

Findest du, dass man kreativer wird, wenn das Büro unordentlich ist? Gibt es einen bestimmen Platz, an dem du am liebsten arbeitest oder kannst du überall arbeiten? Draußen, zum Beispiel?

Ich weiß nicht, aber ich kann es mir vorstellen. Es erlaubt einem irgendwie eher, sich irgendwas Absurdes einfallen zu lassen. Ich habe fast noch nie woanders als in meinem eigenen Arbeitszimmer gearbeitet und da gibt es sehr viel Zeug. Wenn ich Pettersons Haus zeichne, kann es durchaus inspirierend sein, wenn es hier, wo ich sitze, etwa genauso aussieht.

Aus: Sven Nordquist "Eine Bilderreise"

Aus: Sven Nordqvist „Eine Bilderreise“, erschienen im Oetinger Verlag

Wenn ich gerade für ein Buch Skizzen mache, kann ich das überall tun. Oft skizziere ich im Kopf, während ich gerade draußen spazieren gehe. Aber zu Hause habe ich einen Leuchttisch und einen Computer, den ich zum Skizzieren benutze. Wenn ich dann mit Filzstift reinzeichne und das Bild anschließend mit Farbe versehe, brauche ich einen festen Tisch und alle meine Farben und Stifte und Pinsel und die sind natürlich auch zu Hause.

Danke für das Interview. Hab einen tollen Geburtstag! Noch mal herzlichen Glückwunsch!

Danke, danke!

 


nordqvist_5Eine Bilderreise

Text und Bilder von Sven Nordqvist
Übersetzung von Maike Dörries
Erschienen im Oetinger Verlag

Sven Nordqvists „Eine Bilderreise“ zeigt eine umfangreiche Werkschau zum 70. Geburtstag des beliebten Bilderbuchkünstlers sowohl mit bekannten, als auch unbekannten Zeichnungen.

 

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