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Tief berührend: Mein Freund Pax

Eigentlich überlasse ich schon seit Jahren das Schreiben von Rezensionen den rund vierzig Kindern und Jugendlichen der Redaktion. Zumindest auf der Webseite. Doch hin und wieder tauchen im Stapel der Leseexemplare Bücher auf, die auch für mich als erwachsener Leser so besonders sind, sich auf ihre Art aus der Masse der Neuerscheinungen abheben, dass ich nicht umhin komme, euch von ihnen zu erzählen. Häufig sind dies Geschichten, die mich ganz tief drinnen berühren, die mich mit einer wohligen Wärme im Bauch zurücklassen, die schlicht und ergreifend ein Geschenk sind. „Mein Freund Pax“ ist so ein Buch.


Mein Freund Pax
von Sara Pennypacker, aus dem Englischen von Birgitt Kollmann, mit Illustrationen von Jon Klassen, Fischer Sauerländer 2017
304 Seiten, 34 Kapitel – für Leserinnen und Leser ab 10 (und älter)


Von außen

Cover: Mein Freund PaxPeter hat den Fuchswelpen Pax vor dem sicheren Tod gerettet und aufgezogen – seitdem sind die beiden unzertrennlich.

Peter und Pax verstehen sich ohne Worte, und nur zusammen fühlen sie sich ganz. Aber dann kommt der Krieg und reißt die beiden auseinander.

Zwischen ihnen liegen Hunderte von Kilometern und warten tausend Gefahren, doch von ihrer Sehnsucht getrieben, kennen die beiden nur einen Gedanken: den anderen wiederzufinden …

 

 

Letztlich sind es immer Cover und Klappentext, die einen zunächst nach einem Buch greifen lassen. Bei „Mein Freund Pax“ war es tatsächlich das Wort Pax, das mich zunächst neugierig machte. Ein Fuchs, der Frieden heißt und laut Klappentext in Zeiten des Krieges mit einem Jungen befreundet ist, das war definitiv Stoff, den ich noch nicht gelesen hatte. Tatsächlich war ich auch ein wenig überrascht davon, dass Jon Klassen dem Buch Illustrationen beisteuerte. Zum einen, weil es bei Büchern ab einem gewissen Lesealter durchaus normal ist, dass sie ohne Innenillustrationen auskommen, zum anderen weil  Jon Klassen hauptsächlich für seine außergewöhnlichen Bilderbücher bekannt ist. Doch gerade er erweist sich als Glücksgriff, denn seine auf das Wesentliche zurückgenommenen Schwarzweiß-Illustrationen – zwölf an der Zahl – unterstreichen diese außergewöhnliche, ja poetische Freundschaftsgeschichte.

Von innen

Ich bin ehrlich, ich hatte eine einfache Freundschaftsgeschichte zwischen einem Fuchs und einem Jungen erwartet: Die zwei sind beste Freunde, werden getrennt, finden über Umwege wieder zusammen, sind glücklich. End of story. So kann man sich täuschen!

Der aus zwei Perspektiven erzählte Roman – ein allwissender Erzähler berichtet im Wechsel aus der Sicht von Peter bzw. Pax – beginnt mit der durch den Krieg bedingten Trennung der beiden Freunde. Und schon im ersten Kapitel kann man sich der Kraft und der Tiefe ihrer Liebe zueinander nicht entziehen. Die beiden sind zwei und doch nicht zwei, ein buddhistischer Gedanke, der später im Buch noch erklärt werden soll.

Sowohl Junge als auch Fuchs bekommen auf dem Weg zueinander unerwartet Hilfe von ihresgleichen, und so wird die Suche nach dem innig geliebten Freund für beide am Ende auch eine Suche nach sich selbst. Diese charakterlichen Entwicklungen machen nahezu alle Protagonisten durch und das macht die Geschichte zusätzlich spannend, da lange offen bleibt, wohin der jeweilige Weg Menschen und Tiere führen wird.

Einschätzung

Was die Geschichte von Peter und Pax allerdings zu einem – wie ich meine – Glanzstück unter den Neuerscheinungen werden lässt, ist die poetische Sprache, die die Autorin Sara Pennypacker verwendet und die von Birgitt Kollmann ausgezeichnet ins Deutsche übertragen wurde. Das Schöne ist, dass dieser ausdrucksstarke Stil für die Kinder nicht schwierig zu lesen oder zu erfassen ist und den Leser dennoch tief berührt. Das ist wahre Schreibkunst und ich freue mich, dass sie durch diese wunderschöne Geschichte auch Kindern zugänglich gemacht wird.

Kategorie: Bücherregal, Buchtipps

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Seit über 10 Jahren betreibe ich die Webseite Buecherkinder.de. Ich bin leidenschaftliche Netzwerkerin (online wie offline), Jurymitglied des “Leipziger Lesekompass” und schreibe regelmäßig für die Fachzeitschrift “Eselsohr”. Obwohl technikaffin lese ich zur Zeit noch am liebsten Bücher der Holzklasse.

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