Buchtipp: Das Schicksal der Sterne

Als dem Autor Daniel Höra 2012 die Idee zu seinem Roman „Das Schicksal der Sterne“ kam, konnte er vermutlich nicht ahnen, wie hochaktuell die Flüchtlingsthematik, der sich das Buch widmet, zum Erscheinungstermin sein würde.

Angesichts von über 50 Millionen Flüchtlingen weltweit und einer Bewegung im Osten, die „Wir sind das Volk!“ ruft, aber etwas ganz anderes meint, kommt das neueste Werk von Daniel Höra genau zum richtigen Zeitpunkt.

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Daniel Höra: Das Schicksal der Sterne, erscheint bei bloomoon

In seiner Geschichte lässt der Autor den aus Schlesien stammenden Karl auf Adib aus Afghanistan treffen. Lediglich den Wohnort Berlin und die Vorliebe für Astronomie scheinen die beiden zu teilen, was sonst sollten ein über 80-jähriger Mann und ein Jugendlicher aus dem Flüchtlingsheim schon für Gemeinsamkeiten haben?

Doch Stück für Stück taucht der Leser in die Vergangenheit der Beiden ein und es wird bald klar, dass sie einen viel größeren gemeinsamen Nenner besitzen: Sie mussten beide aus ihrer Heimat fliehen, der eine vor 70 Jahren, der andere in unserer heutigen Zeit. Geschickt lässt Höra Szenen ihrer jeweiligen Flucht in die Berliner Handlung einfließen, mal finden wir uns auf einer Straße gesäumt von Toten Richtung Leipzig wieder, ein anderes Mal in einem Auffanglager in Griechenland. Und auch wenn Orts- und Zeitwechsel mitunter rasch aufeinanderfolgen, ist die Geschichte nie verwirrend, denn der rote Erzählfaden bleibt immer sichtbar.

Erschreckend ist jedoch, wie viele Ähnlichkeiten die beiden Flüchtlingsgeschichten aufweisen obwohl zwischen ihnen 70 Jahre liegen. Beiden jungen Männern wiesen die Sterne auf ihrer Flucht den Weg und gaben ihnen Hoffnung, beide ertrugen Hunger, Qualen, Erniedrigung und hatten Tote zu beklagen und beide fühlten sich am Ziel angekommen nicht Willkommen.

Die Geschichte von Karl und Adib ist nicht nur brilliant konstruiert, sie regt zum Nachdenken an und berührt zutiefst. Ich wünsche ihr sehr viele Leser und hoffe, dass sie auch als Schullektüre zum Einsatz kommt und zu Aufklärung und Toleranz beiträgt.

  1. Als Kind habe ich mir immer ganz gespannt angehört, wie meine Uroma mit ihren beiden Töchtern aus Schlesien vertrieben wurde und wie sie dann hierher kamen. Das war wahnsinnig spannend für mich. Wüsste gerne, ob andere ein ähnliches Schicksal hatten und sich auch so heimatlos und nicht aufgenommen gefühlt haben.

  2. Neben dem Thema an sich interessiert mich der historische Bezug und das Vergessen darüber. Gerade an Gedenktagen (wie gestern die Befreiung von Auschwitz) wird klar: Wir brauchen die Erinnerungen eines Kulturkreises ganz dringend. Bin gespannt.

  3. Mich hat die Thematik schon immer interessiert. Gerade weil man sich selbst die Lage gar nicht vorstellen kann, wenn man es nie selbst erlebt hat. Meine Großeltern haben ab und zu davon erzählt, aber ich glaube, dieses Buch könnte noch einmal eine ganz neue Sicht auf die Thematik der Flüchtlinge eröffnen. Wie du auch schon erwähnt hast: passend, dass das Buch jetzt erscheint.

  4. schlumeline

    Flüchtlinge gab es immer und wird es immer geben und jeder erlebt diese Phase seines Lebens wahrscheinlich unterschiedlich und dennoch gibt es Ähnlichkeiten. Wie verarbeitet ein Mensch so etwas? Wie geht er nach vielen Jahren damit um und wie, wenn er gerade in der Situation steckt? Das ist eine interessante Thematik über die ich gerne etwas lesen würde.
    Wirklich die Heimat dauerhaft verlassen musste aus meiner Familie nie jemand, aber ich fand die Geschichten meiner Mutter schon abenteuerlich, wie sie als Kind die Evakuierung erlebt hat.

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