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Was darf ein Jugendbuch kosten?

Die Frage, was ein Jugendbuch oder Bücher allgemein überhaupt kosten dürfen, stelle ich mir so gut wie nie. Das hat natürlich zum einen den luxuriösen Grund, dass ich bzw. die Kinder- und Jugendlichen der Redaktion mit Rezensions-exemplaren versorgt werden und sich mir und uns diese Frage – was das Anschaffen und Lesen für Buecherkinder.de anbelangt –  nicht stellt.

Darüber hinaus gehende private Anschaffungen im Bereich der Belletristik werden im Taschenbuchbereich zwischen 10 und 15 € von mir nicht weiter hinterfragt. Im Hardcover, das meist bei 20 € aufwärts liegt, sieht es etwas anders aus. Haben mich Buchbesprechungen meiner Peergroup überzeugt und habe ich gerade Zeit, außerhalt der KJL etwas zu lesen, wird auch ein Hardcover angeschafft, ansonsten warte ich aber durchaus auf die Taschenbuchausgabe.

Dass der Preis  von 18,95 € für ein Jugendbuch mit gut 430 Seiten in der Hardcover-Ausgabe mit Schutzumschlag allerdings als schockierend (siehe Facebookommentar) empfunden wird, hat mich schon gewundert.

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Preis-Diskussion auf der Buecherkinder-Facebookseite

Wie schnell geben Jugendliche heutzutage Geld für Musik, PC und Lifestyle-Gadgets aus, warum keine 18,95 € für ein Buch? Und für die lieben Kleinen wird für Lego-Sets, Playmobil und Nintendo-Spiele im hohen zweistelligen Bereich das Portemonnaie gezückt, aber ein Bilderbuch für 13 € für zu teuer gehalten?

Wie seht ihr das? Wie hoch liegt eure Schmerzgrenze bei Must-Have-Büchern?

 

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Seit über 10 Jahren betreibe ich die Webseite Buecherkinder.de. Ich bin leidenschaftliche Netzwerkerin (online wie offline), Jurymitglied des “Leipziger Lesekompass” und schreibe regelmäßig für die Fachzeitschrift “Eselsohr”. Obwohl technikaffin lese ich zur Zeit noch am liebsten Bücher der Holzklasse.

8 Kommentare

  1. Daniela Pe sagt

    Liebe Steffi,
    ich sehe es genauso wie du und bin immer der Meinung, dass es ruhig in Büchern „investiert“ werden kann. Allerdings höre ich sehr oft in Buchhandlungen Kommentare wie „So teuer?“ und einmal habe ich mit einer Freundin eine Diskussion begonnen, die mich sprachlos gelassen hat. Es ging um die Anschaffung von Büchern für unsere Kinder, beide Vielleser. Ich kaufe Matteo mindestens ein Buch die Woche (bzw. investiert er seine Geldgeschenke meistens in Bücher, dafür hat er kein Nintendo und auch noch keine I-Tunes-Guthaben Bedarf), während die Freundin von mir (Medizin-Professorin, also relativ gebildet, würde man vermuten) für ihre Tochter aus eigener Behauptung „nie Bücher kauft“ sondern diese höchstens von Freunden (von uns) oder von der Stadtbücherei ausleiht. Warum? „Weil Bücher viel zu teuer sind, dafür, dass man sie nur einmal verwendet, denn wer liest schon ein Buch zweimal? Mit Computerspielen kann man zumindest mehrmals spielen, ein Buch ist ein ‚Einwegprodukt'“. Tja, ich war und bleibe sprachlos… Die Diskussion führte noch weiter, z.B. dass Musik (einzelne Lieder z.B.) kauft man erst, wenn man weiß, dass man sie mag, Bücher kauft man so zu sagen „im Dunkel“, dafür seien sie auch viel zu teuer bzw. das Risiko eines Fehlkaufs zu hoch. Und „natürlich“ hört man ein Lied mehrmals, da Buch hingegen…
    Da ich meine Freundin kenne und durchaus schätze, konnte ich die Diskussion nicht einfach mit einem Kopfschütteln vergessen, eine treffende Gegenantwort habe ich leider immer noch nicht…

    • Vielleicht ein Argument für deine Freundin: Kinder und Jugendliche lesen Bücher, die sie mögen, eben nicht nur einmal. Ich kann gar nicht sagen, wie oft mein Sohn seine Lieblingsbücher schon gelesen hat, manche kann er teilweise auswendig.
      Mein Sohn bekommt jedenfalls alle Bücher, die er möchte. Zu Weihnachten und Geburtstag hat er immer eine Wunschliste, dazu schenken manche Geld, das er dann wieder in Bücher investiert.

      Zur eigentlichen Frage: Ich finde 20 Euro für einen dicken Hardcover-Schmöker durchaus angemessen. Warum sollten Kinder- und Jugendbücher günstiger als Erwachsenenbücher sein, sie werden ja nicht subventioniert. Und ein gutes Bilderbuch ist sein Geld wert. Man kann das Buch später ja immer noch verschenken oder verkaufen.

      • Daniela Pe sagt

        Genauso mein Sohn 🙂

        Tja, und die eigentliche Frage würde ich auch so beantworten, zudem in Deutschland Kinderbücher deutlich günstiger sind als in anderen Ländern (ich bin Italienerin und in Italien kosten Bücher – auch Kinderbücher – teilweise auch 28 Euro). Schließlich muss ein Autor davon Leben, ein Zeichner, teilweise ein Übersetzen, und dann kommt noch das Lektorat und die ganzen Verlagsmenschen…

  2. Liebe Steffi, danke für deinen Beitrag.

    Ich möchte ganz sachlich einmal ein paar Fakten zum Nachdenken aufzählen, weil es mich schon lange beschäftigt, wie wenig Wertschätzung besonders Kinderbüchern und Literatur allgemein in wachsendem Maße entgegen gebracht werden. Nur so als Anregung zum Nachdenken:

    +Kinobesuch mit Getränk und PopCorn: 10-18 Euro
    +Eisbecher: 6-12 Euro
    +Konzertkarte: 35-150 Euro
    +Stadionbesuch: 35- 100 Euro
    +Europapark: 35 Euro
    +1/2 Hahn und Mass Bier auf dem Wasen: 20 Euro
    +Massage 30 Minuten: 35 Euro
    +Discobesuch mit 2 Cocktails: 14-25 Euro

    Ich könnte diese Liste natürlich ewig fortsetzen, will ich aber nicht.
    Liebe Leser, beantwortet mir eine Frage, bitte. Wieso ist ein Buch weniger wert?

    Mit lieben Grüßen
    Eva

  3. Ich finde die Vergleiche super, zumal man tatsächlich nur einmal ins Kino oder auf ein Konzert geht und im Gegensatz dazu (zumindest bei uns) die Bücher so oft gelesen werden, dass Kids sie tatsächlich wie oben schon erwähnt auswendig können (und das gilt nicht nur für die Pappen). Ich finde Bücher super, allerdings finden ich den Subventionierungsgedanken gar nicht so verkehrt, da sich sonst erstens nur Leute Kinder- und Jugendbücher leisten, denen es finanziell ok geht und generell sind Kinder einfach teuer und man hat weniger Zeit zum arbeiten als Kinderlose, daher auch weniger Geld, aber mehr Ausgaben dafür, dass man am Ende weniger Rente bekommt und die eigenen Kinder die Rente der Leute erwirtschaften, die eben keine eigenen Kinder haben, aber das ist ein anderes Thema… 🙂

  4. Ich denke, es geht nicht um den Preis an sich, sondern um die damit verbundenen Wertschätzung, das Interesse und die Emotion. Wer Bücher gerne liest und mag, der kauft sie sich in den Maßen, wie er es sich leisten kann.
    Wer kein Interesse an Bücher hat, der hat für den Preis kein Verständnis und empfindet ihn zu hoch. Selbst gehe ich äußerst selten auf ein Konzert. Mir ist eine Karte für 90 € definitiv zu teuer.
    Übrigens nutze ich gerne viel und ausgiebig die Bibliothek, bestücke sie auch im Gegenzug mit Rezensionsexemplaren, die ich habe. Ja ich gebe es zu: ich kann für 10 € Jahresgebühr (lachhaft wenig, eher ein moralischer Preis) viele, viele Bücher oder andere Medien kostenfrei ausleihen und finanziell gefahrlos auf für mich fremden Wegen wandeln. Über VG Wort erhält der Autor durch die Ausleihen Geld zurück.

  5. Woman76 sagt

    Ich selbst bin unter anderem leidenschaftliche Jugendbuch-Leserin, komme ursprünglich aus dem Bibliothekswesen und bin, seit ich lesen kann, Bücher immer sehr verbunden gewesen. Sie sind für mich ein absolut unverzichtbares und wertvolles Kulturgut.

    Nun haben sich in den letzten Jahren einige weitere Nischen in puncto Literatur-Konsum platziert und einen Raum geschaffen. Diese sind in der Anschaffung auch nicht immer billiger als gedruckte Bücher, darüber regt sich jedoch niemand auf.

    Mir ist auch aufgefallen, dass gerade Jugendbücher vermehrt als Hardcover erscheinen und schon mal die 18-Euro-Grenze überschreiten – zumeist aber um die 15-16-Euro kosten. Gerade bei mehrteiligen Reihen erscheinen die neuen Teile fast immer im Hardcover. Und die Verlage wissen, dass sie damit Geld machen können.
    Bücher müssen hervorstechen und die Aufmachung wird z. T. immer aufwändiger und auffälliger – das kostet Geld.
    Nachvollziehen kann ich es aber auch nicht immer – vor allem dann nicht, wenn eine eigentlich durchschnittlich lange Geschichte auf 500 Seiten mit breiten Rändern, großer Schrift und dickem Papier gestreckt wurde. Es wird einem suggeriert, man kauft einen dicken Wälzer, ist aber in zwei Tagen durch mit der Story. Für das bisschen Text dann so viel Geld auszugeben, überlege ich mir zweimal.

    Gleichzeitig wird die Zeitspanne zwischen Hardcover und Taschenbuch aber auch immer kürzer.
    Bei einigen Büchern warte ich dann, für andere gebe ich das Geld aus.

    Jugendliche geben ihr Geld auch sehr gezielt aus. Ich empfinde es aber dann als besondere Freude, ein Buch zu verschenken, was sich eine 17 jährige nicht selbst kaufen würde, aber dennoch sehr wünscht. So macht mir Schenken Spaß.

    Viel mehr ärgere ich mich bei der Belletristik über die neue Zwischenform Hardcover-Taschenbuch – nämlich der Klappenbroschur. Da hat man im Grunde nur ein etwas größeres Taschenbuch mit labberigem Papierumschlag, das auch 15 Euro kostet.
    DAS finde ich tatsächlich unangemessen teuer.

    • Ich denke, es kommt nicht ausschließlich darauf an, ob ein Buch als Hardcover, Zwischenform oder Paperback herausgebracht wird. Die Frage ist doch vor allem, wie aufwändig ein Buch recherchiert und geschrieben ist. Es hat einen Wert, der sich aus der Arbeit vieler Menschen aber auch aus dem Rohstoffwert für die Herstellung der Bücher zusammensetzt. Insofern bin ich der Auflistung von Eva Seith sehr dankbar. Wofür geben wir denn sonst noch in unserer Freizeit Geld aus? Zudem wir alles teurer, nur Bücher dürfen es nicht werden? Das erschließt sich mir nicht.

      Ich würde da gerne mal aus meinem eigenen Nähkästchen plaudern. Auch wenn man sich als Autorin nicht zu weit aus dem Fenster lehnen sollte. Ich bin selbst Naturwissenschaftlerin und war viele Jahre in der PR im Bildungsbereich tätig. Ich habe eine Natur(wissenschaftliche) Abenteuergeschichte für Kinder geschrieben. Dafür habe ich mir also eine spannende Geschichte ausgedacht, habe passend zur Handlung Experimente entwickelt, recherchiert und modifiziert. Natürlich habe ich alles auch selbst ausprobiert und zu all dem kindgerechte Erklärungen aufgeschrieben. Doch das braucht viel Zeit und hat seinen Preis. Meine Kunden wissen das offensichtlich zu schätzen, aber von Seiten des Buchhandels habe ich schon öfter gehört, das Buch sei zu teuer … es kostet 19,99 Euro. – Ach so, und eine Webseite baue ich auch noch auf, auf der ich Experimente veröffentliche und Kinder Fragen stellen können – bisher ohne Werbung. Aber von irgendetwas leben muss ich natürlich auch.

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