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#bookupDE: Bücher, Menschen, Medien

bookupDEAm vergangenen Samstag fand das erste #bookupDE in Münster statt. Der Coppenrath Verlag öffnete für zahlreiche Interessierte den Showroom im Münsteraner Hafen. Neben zahlreichen Veranstaltungen in Buchhandlungen und Bibliotheken war dies das vierte #bookupDE-Treffen in einem Verlag.

„Handy RAUS! statt Handy aus.“ lautet die Devise.

Bei einem #bookupDE treffen sich buchbegeisterte Onliner, die bei Facebook,Twitter, Instagram und Co. aktiv sind, an bibliophilen Orten wie Buchhandlungen, Verlagen oder Bibliotheken mit Gleichgesinnten. Von dort berichten sie per Smartphone live – und/oder im Anschluss im eigenen Blog – mit dem Hashtag #bookupDE über die Veranstaltung.

Rund 40 interessierte Onliner – eine bunte Mischung aus Lesern, Bibliothekaren, Buchbloggern und Buchhändlern – fanden sich gegen 15 Uhr an der Alten Feuerwache in Münster ein, um einen Blick in das altehrwürdige Gebäude zu werfen, das neben der Coppenrath-Spiegelburg-Produktpalette auch zahllose Antiquitäten und Kuriositäten beherbergt.

Der Verlag war bestens auf die vielen neugierigen Buchliebhaber vorbereitet und hatte neben wunderschönem Ambiente auch für leibliches Wohl gesorgt. Zu Beginn simulierte das Team des Verlags eine Vertreterkonferenz wie sie zweimal pro Jahr im Hause stattfindet. Danach wurden sämtliche Türen in die Büroräume und den ehemaligen Schlauchturm geöffnet (siehe Storify). Und sogar für ein After-#bookupDE-Event hatte der Verlag gesorgt und versüßte den Teilnehmern den Nachmittag noch mit einer Premierenlesung: Katrin Lankers las aus ihrer neuen Buchreihe „Verrückt nach New York“. Wer mochte konnte sich im Anschluss ein vom Verlag spendiertes Exemplar signieren lassen.

Einen Eindruck dieses #bookupDE vermittelt diese Sammlung aus Fotos und Tweets:

 

Weitere #bookupDE-Veranstaltungen sind bereits geplant:

  • 06.03. Solingen – Stadtbibliothek
  • 06.03. Gelsenkirchen – Stadtbibliothek
  • 13.03. Leipzig Buchmesse – Binooki Verlag
  • 10.03. Krefeld – Mediothek
  • 19.03. Erlangen – Stadtbibliothek
  • 20.03. Hamburg – Bücherhalllen
  • 21.03. Köln – Buchladen Neusser Straße
  • 10.04. Frankfurt – Börsenblatt
  • 18.04. Hanau – Buchladen am Freiheitsplatz
  • 09.06. Wuppertal – Peter Hammer Verlag

Informationen über Veranstaltungen gibt es auf Twitter und Facebook.

„Das alte Haus“ oder Kann man ein Buch von seinem Autor trennen?

Obwohl meine Kinder schon lange selbst lesen, haben wir uns von den liebsten Vorlesebüchern selbstverständlich nicht getrennt. Und so stehen „Die Geschichten von der Maus für die Katz“, „Latte Igel“ und „Das alte Haus“ einträchtig nebeneinander im Regal. Besonders die Märchen aus letzterem haben uns viele Jahre begleitet und oft habe ich die fantasievollen Geschichten der Großmutter und ihren drei Tieren Bautz, Krahks und Murks weiterempfohlen. Gerade erst ist im Kerle Verlag eine weitere Neuauflage des Klassikers von 1923 erschienen, die – noch ohne Wertung – auf der Buecherkinder-Seite zu finden ist.

Gestern erreichten mich dann auf Twitter u.a. folgende Tweets:

Ich muss gestehen, dass ich mich selten bis nie mit den Lebensläufen von Autorinnen und Autoren beschäftige sondern mit den Geschichten, die sie verfassen. Aber kann/darf/muss man den Autor und sein Werk getrennt betrachten, oder nicht? Und darf ich die Geschichten von Wilhelm Matthießen, der bekennender Nationalsozialist war und dessen Hintergrund auch der Verlag in der Vita nicht verschweigt, empfehlen oder nicht?

Wilhelm Matthießen

Wilhelm Matthießen wurde 1891 in der Eifel geboren. Er studierte Philosophie, promovierte auch in diesem Fach und widmete sich schon früh dem Schreiben. Neben Erich Kästner ist er der meistgelesene Kinder- und Jugendbuchautor der 1930er-Jahre. Wilhelm Matthießen starb 1965 und hinterließ so erfolgreiche Kinderbücher wie »Das rote U« oder »Das alte Haus«.
Matthießen war jedoch nicht nur Verfasser von zeitlosen Kindermärchen und Jugendbüchern, sondern auch bekennender Nationalsozialist und veröffentlichte völkische und antisemitische Schriften. Von dieser Gesinnung ist in seinen Kinderbüchern nichts zu spüren. In seiner Person zeigt sich die weltanschauliche Radikalität und Doppelgesichtigkeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland.

Quelle: Kerle Verlag

Als ich das Buch vor knapp 10 Jahren mit meinen Kindern las, war mir der antisemitische Hintergrund des Autors nicht bekannt, ich habe mich also nicht bewusst FÜR das Buch entschieden. Aber wie würde ich heute verfahren? Und zurück zur obigen Frage, darf ich das Buch empfehlen auch wenn ich heute die politische Gesinnung des Autors kenne?

Und wie verhält es sich mit Autoren in diesem Jahrhundert, die sich beispielsweise durch homophobe oder rassistische Bemerkungen disqualifizieren. Entwertet das zugleich ihr Werk, auch wenn dieses frei von diffamierendem Inhalt ist? Hat ein Buch, wenn es die inhaltliche Qualitätsprüfung durch Lektorat und Verlag passiert hat und erschienen ist, nicht das Recht, fair besprochen zu werden? Ob wir es nun kaufen oder lesen liegt schließlich immer noch in unserer Hand!

Wie ist eure Meinung zu diesem – wie ich finde – äußerst spannenden und vielschichtigen Thema?

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Innentitel der 19. Auflage von „Das alte Haus“

 

Buchtipp: Kirschen im Schnee

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Kat Yeh: Kirschen im Schnee
Magellan 2015, ab 11

„Kirschen im Schnee“ erzählt die Geschichte der Schwestern GiGi (Doppel-G) und DiDi (Doppel-D), die ihre außergewöhnlichen, nach BH-Größen klingenden Spitznamen ebenso außergewöhnlichen Vornamen zu verdanken haben.

Seit dem Tod der Mutter, von der den beiden lediglich ein Ringbuch mit handschriftlichen Rezepten als Erinnerungsstück geblieben ist, sind die 12-jährige GiGi und ihre neun Jahre ältere Schwester auf sich gestellt. DiDi arbeitet als Friseurin, um ihrer Schwester eine gute Schulausbildung zu ermöglichen.

Ein besonderes Rezept der Sammlung ist die Torte „Kirschen im Schnee“, die nach der Lieblings-Lippenstift-Farbe der verstorbenen Mutter benannt ist, und lediglich zu Geburtstagen und besonderen Anlässen zubereitet wird.

Noch ohne überhaupt das Buch aufgeschlagen zu haben, erfreut man sich als zukünftiger Leser zu allererst am liebevoll gestalteten Cover. Es mutet ein wenig 50er-Jahre-mäßig an und zeigt neben Titel und einem kleinen Spruchbanner eine Torte bzw. Pancakes mit Kirschen und Sahne. Wer das Buch allerdings gelesen hat, wird feststellen, dass es sich dabei nicht um die „Kirschen im Schnee“-Torte handelt. Titel, Untertitel sowie Kirschen sind mit Relieflack hervorgehoben. Auch der Klappentext – von einer Ich-Erzählerin geschrieben – macht neugierg.

Blättert man dann einmal quer durch das Buch mit seinen 55 Kapiteln fallen einem diverse handschriftlich anmutende Seiten mit liebevoll ausgearbeiteten Koch- und Back-Rezepten auf, die – so erfahren wir beim Lesen – ganz bewusst und sehr passend dort eingestreut sind.

Zunächst sieht alles nach einer recht alltäglichen Teenager-Geschichte aus: Mädchen kommt in neue Schule, findet neue Freunde (und Feinde), verliebt sich ein wenig und bricht aus alten Mustern aus. Doch sehr geschickt webt die Autorin Kat Yeh nach etwa einem Drittel der Geschichte eine erste große Veränderung im Leben der beiden Schwestern ein, um dann – etwa nach einem weiteren Drittel – die Bombe mit einer großen Wendung platzen zu lassen.

Die kurzen Kapitel feuern die Geschwindigkeit der Ereignisse noch an, die Rezepte dagegen, die ausgezeichnet zu den jeweiligen Stimmungen passen und unbedingt mal ausprobiert werden müssen, wirken dazwischen fast wie Ruhepole.

Die Sprache, in denen die Ich-Erzählerin GiGi ihre eigenen Gefühle oder die allgemeine Stimmung beschreibt, ist sehr anschaulich. „Die ganze nächste Woche waren alle Worte, die DiDi und ich wechselten, staubtrocken und zerfielen wie wochenaltes Brot.“ oder „Das glückliche Gefühl weht aus mir heraus, als hätte jemand die Hintertür offen gelassen.“ Sicherlich auch ein Verdienst des bekannten Übersetzerteams Jessika Komina und Sandra Knuffinke.

Mit „Kirschen im Schnee“ legt die amerikanische Autorin Kat Yeh eine bezaubernde Geschichte vor, deren Icherzählerin ehrlich, humorvoll und klug von kleinen und großen Teenagersorgen, Freundschaft und Nöten berichtet. Dabei wachsen einem nicht nur die Hauptfiguren förmlich ans Herz, auch die Nebenfiguren sind mit Sorgfalt gestaltet.


Ein Buch auch für dich? Dann bewirb dich bis 22. Februar 18:00 Uhr für eines von zwei Exemplaren, indem du mir in einem Kommentar dein Lieblingsrezept verrätst.
Bei mehr als zwei Teilnehmern entscheidet das Los per random.org. Bücher verschicke ich augrund der Portokosten nur an Postadressen in Deutschland.

Buchtipp, Verlosung und Lesung: Die Buchspringer

Buchtipp

Eine geschickt konstruierte Geschichte, die gekonnt mit der Weltliteratur spielt.
Ein spannendes und kurzweiliges Lesevergnügen!

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Mechthild Gläser: Die Buchspringer
Loewe 2015, ab 12 Jahren
erscheint am 16.2.2015

Ein Buchspringer zu sein, also jemand, der beim Lesen eines Buches als Beobachter in die Erzählung springen kann, davon können bibliophile Menschen wie ich nur träumen. Mechthild Gläser lässt diesen Traum für die Protagonisten ihres neuesten Romans „Die Buchspringer“ Wirklichkeit werden. Die Hauptfigur Amy, die nur durch Zufall erfährt, dass sie in Geschichten hineinspringen kann, nimmt den Leser mit auf eine Reise durch zahlreiche Kinderbuchklassiker wie Peter Pan, Alice im Wunderland oder Das Dschungelbuch und so manche Buchfigur aus ehemaligen Schullektüren, beispielsweise Goethes Werther, zeigt sich uns von einer ganz anderen Seite als im damaligen Deutschunterricht. Das „Literatur-Hopping“ ist nicht nur für Amy sondern auch für den Leser ein riesiger Spaß. Doch als Sherlock Holmes schließlich tot in der Außenwelt aufgefunden wird, ist klar, dass jemand sein Unwesen in der Literatur treibt, dem das Handwerk unbedingt gelegt werden muss, bevor noch mehr Geschichten zerstört werden.

Mechthild Gläser hat in „Die Buchspringer“ Ausschnitte der klassischen Literatur gekonnt mit einer spannenden Handlung inklusive zarter Romanze verwoben. Sie lässt die Geschichte nicht ausschließlich von der 17-jährigen Amy erzählen, sondern beleuchtet weitere Handlungsstränge durch einen allwissenden Erzähler. Eingeschoben finden sich immer wieder kurze Ausschnitte eines scheinbar sehr alten Märchens, das im Laufe der Geschichte an Bedeutung gewinnt. Gekonnt fügt die Autorin überraschende Wendungen und kleine Hinweise ein, so dass man sich kaum von der Geschichte losreißen kann. Dabei lässt sie die klassischen Geschichten so lebendig erscheinen, dass man direkt Lust verspürt, im Anschluss nach Goethes Werther, Doyles Sherlock Holmes oder Shakespears Sommernachtstraum zu greifen.

Verlosung

Hast du Lust, in die Welt der Buchspringer einzutauchen? – Wunderbar, denn ich verlose zwei Exemplare unter allen Kommentierenden, die mir verraten, in welches Buch sie denn gerne mal springen würden und warum. Bis zum 16. Februar um 18:00 Uhr hast du Zeit zu kommentieren.
Bei mehr als zwei Teilnehmern entscheidet das Los per random.org. Bücher verschicke ich augrund der Portokosten nur an Postadressen in Deutschland.

Lesung

wohnzimmerlesung150Seit über drei Jahren veranstalte ich nun schon Wohnzimmerlesungen in Solingen und mein roter Ohrensessel dürfte sich schon über so manchen illustren Gast freuen. Nun wurde mir die besondere Ehre zuteil, die Premierenlesung für Mechthild Gläsers „Die Buchspringer“ organisieren zu dürfen, zu der ich hiermit herzlich einladen möchte.

Die Buchpremiere findet am Samstag, den 7. März um 19:30 Uhr in Solingen, Mittelstraße19 statt. Karten gibt es online hier.

Über vergangene und zukünftige Lesungen informiere ich regelmäßig auf der Ohrensesse-Facebookseite, Veranstaltungshinweise gibt es zudem auf der Webseite.

Mehr Sichtbarkeit für die Kinderbuchszene* schaffen!

* Mit Kinderbuchszene ist das breite Spektrum der Kinder- und Jugendliteratur gemeint.

Ende Januar fand der 10. Hamburger Pub ’n‘ Pub-Stammtisch statt, in dem die fehlende Vernetzung und Sichtbarkeit der Kinderliteratur-Institutionen in der Hansestadt zur Diskussion standen. Tatsächlich hat Hamburg mit Oetinger und Carlsen zwei wirklich große Verlagshäuser zu bieten, ergänzt werden diese durch die Kinderbuchsparte des in Reinbek ansässigen Rowohlt Verlags, vielen kleinen Verlagen und sehr erfolgreichen Hörbuch-Labels. Keine andere Stadt weist eine derart hohe Konzentration von reinen Kinder- und Jugendbuchverlagen auf.

Nichts desto trotz wird Hamburg nicht als Kinderbuchhauptstadt wahrgenommen, einen Zustand, den Katrin Hörnlein in ihrem ZEIT-Artikel „Wir sind doch ein Kinderdorf“ im Sommer letzten Jahres anprangerte.

Sie sowie zahlreiche andere am Thema Interessierte trafen sich deshalb am 29. Januar zum Publishing-Stammtisch und ließen uns aus der Ferne via Twitter (hier die Zusammenfassung) an der lebhaften Diskussion teilhaben.

Natürlich konnte es an diesem Abend keine Lösung geben, aber die Frage nach der Sichtbarkeit bzw. der öffentlichen Wahrnehmung der Kinder- und Jugendliteratur, nicht nur in Hamburg sondern deutschlandweit, ließ mich nicht mehr los.

Fehlt es vielleicht an einer ordentlichen horizontalen (beispielsweise Autoren untereinander) und vertikalen (vom Verleger bis zum Blogger) Vernetzung und somit auch an einer guten Zusammenarbeit, um wirklich Großes zu bewegen und zu verändern? Kochen wir alle in der Kinder- und Jugendbuchbranche zu sehr unser eigenes Süppchen und vergessen dabei den Blick über den Tellerrand?

Zweifellos habe auch ich keine Patentlösung parat, aber vielleicht eine Idee, wie man möglicherweise eine bessere Vernetzung schaffen kann. Ich bin ein großer Fan von Barcamps und könnte mir dieses Format für alle Beteiligten (vom Autor, über den Blogger bis hin zum Verlagsmitarbeiter) als sehr aufschlussreich und fruchtbar für alle Beteiligten vorstellen. Vielleicht ließe sich da ja in der zukünftigen Kinderbuchhauptstadt etwas auf die Beine stellen? – Ich wäre auf jeden Fall dabei!