Neueste Artikel

Acht Kinder und jede Menge Bücher

Nun ist er gekommen, mein erster Tag als Dozentin im Ulla-Hahn-Haus. Nach bald 15 Jahren Online-Redaktion – die ich selbstverständlich weiterführe –  wird in Monheim sozusagen ein „greifbarer“ Ableger der Bücherkinder entstehen.

Rheinische PostÜber mangelnden Medienrummel konnte ich mich im Vorfeld jedenfalls nicht beklagen.

Nach dem ersten Artikel am 19. Januar, der in der Rheinischen Post erschien, klingelte das Telefon gleich mehrfach und heraus kamen ein Interview im Libelle-Magazin und auch die Rheinische Post berichtete kurz vor Kursstart am vergangenenen Freitag ein weiteres Mal.

Jede Menge Vorschuss-Lorbeeren sozusagen, die es am gestrigen Montag einzulösen galt.

Dennoch war mir bewusst, dass die „Konkurrenz“ in Sachen Freizeitgestaltung für Kinder riesig ist und die Tage von 9- bis 12-Jährigen eben auch nur 24 Stunden haben. Umso mehr freute es mich, dass aus den vier fest angemeldeten Kindern am ersten Kurstag plötzlich acht wurden, die sich auch noch gleichmäßig auf die Geschlechter verteilten.

GongZum Kennenlernen ließ ich die Kinder von ihren Lieblingsbüchern berichten und einen kleinen Steckbrief ausfüllen. Und trotz meiner langjährigen Erfahrung erstaunt es mich doch immer wieder, mit welcher Begeisterung und wie detailliert die Kinder über ihre Lieblingsbücher berichten. Und das, obwohl das Lesen des Buches bei vielen sogar schon eine Weile her war und sie die Lektüre noch nicht einmal zur Hand hatten. Toll!

Der mitgebrachte Gong kam – zumindest in der ersten Stunde – gar nicht zum Einsatz, denn die Kinder lauschten gespannt, den Buchberichten der anderen. Und vor lauter Buchdiskussion wurde schließlich (fast) das Naschen vergessen.

Drei der neuen Monheimer Bücherkinder nahmen sich auch gleich ein Buch vom Tisch mit, schließlich war ich ja nicht mit leeren Händen gekommen und hatte allerhand aktuelle Bücher mitgebracht. Und – man mag es kaum glauben – heute früh hatte ich tatsächlich bereits eine erste Buch-Einschätzung der elfjährigen Lucie in meiner Mail. Das nenne ich doch mal einen tollen Start!!

Kommende Woche werden wir die Bücher dann genauer unter die Lupe nehmen und schauen, was Cover, Klappentext und Impressum uns alles verraten. Vielleicht bringe ich auch eine Geschichte von Paul Maar mit, die wir gemeinsam lesen und anhand derer wir erste Kriterien entwickeln. Doch erst einmal bin ich gespannt, ob ich alle Kinder am Montag wiedertreffe oder ob vielleicht noch weitere hinzukommen. Ich freu‘ mich jedenfalls drauf!

Flyer

Kursflyer und weitere Infos

 

 

 

 

 

Über gute und „schlechte“ Bücher

In der vergangenen Woche berichtete ich als Facebook-Kuratorin für das Ulla-Hahn-Haus, um dort meine Arbeit mit den Bücherkindern vorzustellen. Einen Beitrag widmete ich der Auswahl unserer Buchtitel. Ein Facebook-Kommentar ließ mich aufhorchen und ich entschied mich, diesen ausführlich zu beantworten. Dieser Artikel ist eine Kopie des Facebook-Beitrags vom 10.2.2017.

Beitrag: […] Alles in allem versuche ich eine gute Mischung zwischen Lesefutter und literarischen Titeln hinzubekommen […]

Kommentar: Äh, definiere ‚Lesefutter‘. Schrott, der für Discounter oder nach wenigen Wochen im Ramsch landet, hat in einer solchen Liste doch ehedem nix zu suchen.

Diesen Kommentar möchte ich zum Anlass nehmen, etwas ausführlicher über gute oder „schlechte“ Bücher zu sprechen (wobei mir diese Bezeichnung eigentlich gar nicht gefällt).

Was ist „Lesestoff“?

Lesestoff ist für mich zügig wegzulesende Lektüre, die mich nicht zu sehr anstrengt und für netten Zeitvertreib sorgt. (Und nein, NETT ist nicht die kleine Schwester von Scheiße sondern wirklich nett!!) In meinen Augen benötigt man Lesestoff in jedem Lesealter.

In der Grundschulbücherei, die ich viele Jahre leitete, war die Reihe „Das magische Baumhaus“ damals der Renner. Die Schüler waren den Erstlesebüchern entwachsen, und da bildete diese Reihe eine wunderbare Möglichkeit, das gerade erlernte Handwerk des Lesens zu festigen. Spannende Geschichten, einfachste Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätze und nicht zu großer Umfang ließen die Kinder häufig von einem zum anderen Buch greifen, um den Lesehunger zu stillen. Aber wer schließlich zehn von ihnen beendet hatte, merkte schnell, dass nun die Zeit für etwas anderes gekommen war. Die Kinder „klebten“ also nie lange an dem sprachlich einfachen Lesefutter.

Und genau diese Reihen oder auch Einzeltitel begegnen uns auch im Jugendbuch und selbst später in der Belletristik. OK, die Sprache sollte das S-P-O-Niveau schon verlassen haben, aber die Geschichten bleiben locker wegzulesen.

Macht das diese Bücher zu schlechten Büchern, nur weil sie hochliterarischen Ansprüchen nicht genügen? Mitnichten!! Genau diese Titel benötigen wir, um die heutige Lesergeneration – gegen alle anderen medialen Freizeitangebote – bei der Stange zu halten. Die Saat wurde gesät und mit ein bisschen Glück und der richtigen Pflege wird sie aufgehen, bei dem einen früher, bei dem anderen später und bei manchen eben gar nicht. Das ist schade, aber nicht zu ändern.

Vergesst die Hörbücher nicht!

Das möchte ich sehr vielen Eltern entgegenrufen. Denn tatsächlich sind Hörbücher ein ganz wunderbares Medium, auch lesemüde Kinder weiterhin mit feiner Sprache und Formulierungen, mit Spannung, Abenteuer, Liebe oder Geschichten aus dem Leben zu versorgen. Eines meiner Kinder gehörte zu diesen „lesemüden“ Kindern. Für ihn bedeutete Lesen echte Anstrengung und das macht man in der spärlichen Freizeit keinesfalls freiwillig. Hörbücher allerdings hat er und liebt er immer noch. Bei ihm sprang der Funke zum Selberlesen erst mit 14 Jahren bei Ursula Poznanskis „Erebos“ über, wofür ich ihr noch heute sehr dankbar bin.

Was ist jetzt mit den literarischen Titeln?

Dafür müsste man eigentlich erst einmal wissen, was mit literarisch eigentlich gemeint ist, denn letztlich ist jeder schriftlich festgehaltene Text ein literarischer und somit auch obiger „Lesestoff“.

Da ich selbst aber das Wort ins Spiel gebracht habe, möchte ich erläutern, was ich darunter verstehe. Die Titel, die von mir als literarisch bezeichnet werden, zeichnen sich zunächst einmal durch ihre Sprache aus, die sich eben entscheidend vom Lesestoff unterscheidet. Sie kann beispielsweise voller sprachlicher Bilder stecken („Mein Freund Pax“) oder in Gedichtform verfasst sein („Die Sprache des Wassers“). Literarische Titel sollen den jungen Leser fordern, ihn in meinen Augen aber nicht überfordern, so dass die Freude am Lesen und der Sprache womöglich verloren geht. Zudem sind diese Titel auch inhaltlich besonders. Vielleicht widmen sie sich einem nie da gewesenen Thema oder reflektieren auf ganz außergewöhnliche Weise das derzeitige Leben ihrer Leser.

Und wie bringe ich jetzt meine Kinder dazu, mal was anderes zu lesen?

Dafür gibt es kein Patentrezept. Bietet den Kindern so viele unterschiedliche Titel wie möglich an und wo ginge das besser als in der örtlichen Bibliothek. Das schöne an geliehenen Büchern ist nämlich, dass die Hemmschwelle Verschiedenes auszuprobieren viel niedriger ist. Trefft mit den Kindern ein Abkommen. Jedes Buch sollte zu einem Viertel bzw. maximal 100 Seiten angelesen werden, danach darf man gerne zum nächsten greifen, wenn man nicht ins Buch kommt.

Dasselbe gilt natürlich für die Erwachsenen, die sich ruhig auch mal einen literarischen „Schinken“ ausleihen können, um den eigenen inneren Schweinehund zu bezwingen. Gute Tipps hält da z.B. der Blogger Kaffeehaussitzer bereit.

Enden möchte ich mit einem Zitat eines befreundeten Buchhändlers, der sich auf die Beratung von Jungs spezialisiert hat. Er sagte einmal zu mir:

„Jedes gelesene Buch ist ein gutes Buch!“

und vielleicht sollten wir damit mal beginnen.

Abenteuer in der Teppichwelt

Manchmal muss man einfach nur eine Brille mit dicken Vergrößerungsgläsern anziehen und ganz genau hinschauen. Dann kann man sie vielleicht entdecken, die Einwohner von Filz, die auf dem Dachboden eines verwinkelten Hauses leben. Denn genau dort liegt ein ziemlich alter Perserteppich, den Rotweinflecken und Brandlöcher zieren. Und ganz tief in ihm drin liegt das schöne, bunte Land Filz mit seinen fusseligen Bewohnern den Filzern.

Eigentlich könnte alles so schön sein, wäre da nicht Lisa, die gerade mit ihrem Vater in das verwinkelte Häuschen einzieht. Denn als sie sich auf dem staubigen Dachboden umschaut, reißt ihr Armband und eine Perle kullert mitten hinein ins kleine Land Filz.

Doch nur der Filzjunge Flocke glaubt Opa Wollinger, der vor der Kugel warnt. Er weiß, dass sie den Untergang aller Filzer bedeuten kann, denn immer, wenn etwas auf Filz fällt, kommt kurz darauf der große Sog und saugt alles weg.

So macht sich Flocke zusammen mit dem Filzmädchen Fussel auf den Weg, der sie jenseits des Perserteppichs führt und mit großen und kleinen Abenteuern gepflastert ist.

Ob die beiden Filz wirklich retten können, das verrate ich euch nicht, aber mit ein wenig Glück könnt ihr eins von fünf Büchern gewinnen und es selbst herausfinden.


Fussel und Flocke – Die Retter von Filz
von Anja Kömmerling und Thomas Brinx, mit Illustrationen von Verena Körting,
Thienemann 2017
112 Seiten mit farbigen Abbildungen – für Zuhörerinnen und Zuhörer ab 6 Jahren



cover fussel
Was ist denn das? Fussel und Flocke sind wie vom Blitz getroffen. Eine riesige Kugel ist in ihr kleines Filzland hineingedonnert. Das bedeutet Ärger, großen Ärger. Und da kann nur eine helfen: die schwarze Namenlose. Die müssen sie finden, unbedingt! Sofort machen sich Fussel und Flocke auf die Socken. Sie reiten auf Silberfischen, treffen einen rülpsenden Holzwurm und kämpfen mit den fiesen Abstaubern. Was sie nicht ahnen: Ihr Filzland liegt mitten in einem alten Perserteppich. Und die riesige Kugel ist eine winzige, wertvolle Perle, die jemand verloren hat und unbedingt zurückhaben will …

 

VERLOSUNG von "Fussel und Flocke"!
Verratet mir per Kommentar, welche Wesen ihr auf Dachböden, unter Betten oder in
dunklen Ecken des Kellers erwartet. Unter allen Kommentierenden, die mir ihr 
persönliches fusseliges Abenteuer verraten, verlose ich insgesamt 5 Exemplare des 
Vorlesebuches von Anja Kömmerling und Thomas Brinx.
Bis zum 15. Februar 2017 um 18:00 Uhr habt ihr Zeit zu kommentieren. Bei mehr als 
5 Teilnehmern entscheidet das Los per random.org. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Titelbild: Innenillustration von Verena Körting, von mir bearbeitet.

Gruseln und Grinsen im Haus der Geister

Wenn einer meiner Lieblingsautoren in der Kinder- und Jugendliteratur – nein, Rüdiger, du bist beim nächsten Mal dran – ein neues Buch schreibt, lasse ich meist alles stehen und liegen, um mich bei Erscheinen dem neuen Werk erst einmal ausgiebig zu widmen.

Von außen

9783845817125

„Es knirscht und kracht im Gebälk. Manchmal hört man sogar ein leises Seufzen.

Melli wäre lieber in New York geblieben, aber weil ihre Eltern notorisch pleite sind, mussten sie unbedingt in die schiefe alte Villa nach Kohlfincken ziehen.

Zusammen mit dem Nachbarsjungen Hotte kommt Melli dem gut gehüteten Geheimnis ihrer Urgroßschwiegercousine Emilie auf die Spur. Und entdeckt dabei ein Erbe, das es wirklich in sich hat …“

 

House of Ghosts – Das verflixte Vermächtnis (Band 1)

von Frank Maria Reifenberg, arsEdition 2017
176 Seiten, 17 Kapitel – für Leserinnen und Leser ab 10

Von innen

Gleich vorweg, „House of Ghosts“ und ich hatten einen etwas holprigen Start, was
– rückblickend betrachtet – sicherlich hauptsächlich an meiner lädierten Gesundheit lag. So las ich die ersten Kapitel mit arg verschnupftem Kopf, der vermutlich dafür sorgte, dass ich über zwei Dinge stolperte, die mein sonniges Gemüt in gesundem Zustand vermutlich noch nicht einmal bemerkt hätte. Letztlich konnten sie den positiven Gesamteindruck eh nicht schmälern, dennoch möchte ich sie nicht unerwähnt lassen.

Zunächst hätte ich mir ein wenig mehr Zeilenabstand gewünscht. Vermutlich wäre 1 Punkt zusätzlich schon ausreichend gewesen, um den Text weniger kompakt wirken zu lassen. So hasteten meine Augen aufgrund weniger Leerzeilen und fehlender Illustrationen ohne Verschnaufpause bis zum jeweiligen Kapitelende.
Und dann muss ich gestehen, dass sich mir die Einführung der Namen Bobbyboy und Big Bobby überhaupt nicht erschloss, da sie für den Fortgang der Geschichte völlig irrelevant waren. Mir persönlich hätten Mama, Papa, Melli und Bobby Bower als Namen durchaus gereicht, zumal man sich im Laufe der Geschichte noch einige, zum Teil sehr humorvolle Namen merken muss. Aber genug gemoppert!

„Humorvoll“ ist übrigens ein gutes Stichwort, denn obwohl es sich bei „House of Ghosts“ um eine gruselige Geschichte handelt, geben viele humorvolle Details ihr eine angenehme Leichtigkeit, so dass dem abendlichen Lesen nichts im Wege stehen dürfte.

Schon nach wenigen Seiten hält die Geschichte den Leser gefangen, denn bereits im zweiten Kapitel ist klar, dass in der Villa nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann. Geschickt eingesetzte Cliffhanger lassen ein Weglegen des Buches fast unmöglich erscheinen, und die überschaubare Kapitellänge tut ihr übriges. So ist man im Nu am Ende der Geschichte angekommen und froh, dass der Autor bereits fleißig an Band 2 arbeitet.

Einschätzung

Als Reifenberg-Fangirl komme ich auch dieses Mal nicht umhin, dem neuesten Werk des Kölner Autors den dicken Stempel „Empfehlenswert“ aufzudrücken. Die selbstbewusste Ich-Erzählerin Melli und ihr etwas verschrobener neuer Freund Hotte werden Mädchen wie Jungen gleichermaßen begeistern. Die Mischung aus gruseligen Elementen und humorvollen Teilen ist sehr gelungen, und das Erscheinen der Herren Erasmus Schöngeist und Lodovico Geistreich war für mich definitiv einer der Höhepunkte der Geschichte. Und auch wenn der Autor es noch bestreitet, komme ich nicht umhin, Ähnlichkeiten zu den Autoren Reifenberg und Bertram auszumachen. Mal sehen, ob sich mein erster Eindruck im kommenden Band noch verstärkt.

Mit einer Leseempfehlung ins neue Lesejahr

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

So oder zumindest so ähnlich fühle ich mich zweimal im Jahr, wenn die ersten Lesexemplare der aktuellen Verlagsvorschauen bei mir eintrudeln. Meist dauert es nicht lange, dann habe ich mich für ein Buch entschieden, das den Anfangspunkt des neuen Lese(halb)jahres markieren und mir hoffentlich einen guten Start in die neue Leserunde bescheren wird.

Für diesen Griff nach dem einen, dem ersten Buch zählen zunächst einmal Äußerlichkeiten. Spricht mich das Cover an? Macht der Titel neugierig? Ist der Klappentext gelungen? – Hier müssen auf jeden Fall schon einmal drei JAs her, und das hat „Zeitreise mit Hamster“ mit Bravour geschafft. Den gelben Buchschnitt gab es als i-Tüpfelchen noch oben drauf.

Von außen

zeitreise mit hamster„Hätte mich früher einer gefragt, ich hätte gesagt, dass eine Zeitmaschine vermutlich wie ein U-Boot aussieht. Oder vielleicht wie eine Rakete. Stattdessen schaue ich jetzt auf einen Laptop und eine Zinkwanne aus dem Gartencenter.
Das ist Dads Zeitmaschine. Und sie wird die Welt verändern. Na ja, auf jeden Fall meine.“

Al Chaudhury hat eine unglaubliche Chance. Er kann das Leben seines verstorbenen Vaters retten. Das Einzige, was er dafür tun muss: in das Jahr 1984 zurückreisen, um einen schicksalsvollen Gokart-Unfall zu verhindern … (Leseprobe)

Zeitreise mit Hamster

von Ross Welford, aus dem Englischen von Petra Knese, Coppenrath Verlag 2017
368 Seiten, 85 Kapitel – für Leserinnen und Leser ab 10 (bis mind. 46!)

Von innen

Sollte es wie vor zehn Jahren noch einmal den Wettbewerb „Schönste erste Sätze“ geben, dann wäre Ross Welford mit Sicherheit dabei. Niemand, wirklich niemand könnte diesen Debütroman wieder weglegen, nachdem er diese zwei Sätze gelesen hat:

„Mein Dad ist zweimal gestorben. Einmal mit neununddreißig und noch einmal vier Jahre später mit zwölf.“

Und spätestens wenn im weiteren Verlauf des einseitigen Prologs das Wort „Zeitmaschine“ fällt, hängen wir am sprichwörtlichen Fliegenfänger und aus dem anfänglich geplanten Anlesen wird schließlich ein atemloses Durchlesen.

In 85 Kapiteln ganz unterschiedlicher Länge folgen wir dem zwölfjährigen Ich-Erzähler Al durch Raum und Zeit. Dabei spricht er den Leser direkt an und gibt – in Klammern gesetzt – häufig noch weiterführende Erläuterungen oder genauere Beschreibungen ab. Mit Leichtigkeit meistern wir erzähltechnische Zeitsprünge und erfahren aufgrund des Zeitreise-Themas ganz nebenbei auch noch etwas über Einsteins Relativitätstheorie.

Einschätzung

„Zeitreise mit Hamster“ ist ganz vieles, nur eben kein Science-Fiction-Roman. Und genau das macht ihn vermutlich so einzigartig. Er umfasst die vielfältigsten Themen (Verlust, Patchworkfamilie, Mobbing, Gedächtnistraining, Indien, Technik, Zeitreise) ohne jemals überladen oder gar bemüht zu wirken. Die Geschichte ist von der ersten Seite an spannend, die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet, die Handlung ist schlüssig, die Kapitel unterschiedlich und nicht zu lang gestaltet. Die Sprache des Ich-Erzählers ist abwechslungsreich, kindgerecht aber nicht kindlich und so flüssig zu lesen, dass die Zeit wie im Fluge – oder besser gesagt wie in einer Zeitmaschine – vergeht.

Von mir gibt es eine dicke Leseempfehlung mit Ausrufezeichen! Es war mir ein großes Vergnügen, mein Lesejahr mit einem derartigen Highlight zu beginnen.