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Gruseln und Grinsen im Haus der Geister

Wenn einer meiner Lieblingsautoren in der Kinder- und Jugendliteratur – nein, Rüdiger, du bist beim nächsten Mal dran – ein neues Buch schreibt, lasse ich meist alles stehen und liegen, um mich bei Erscheinen dem neuen Werk erst einmal ausgiebig zu widmen.

Von außen

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„Es knirscht und kracht im Gebälk. Manchmal hört man sogar ein leises Seufzen.

Melli wäre lieber in New York geblieben, aber weil ihre Eltern notorisch pleite sind, mussten sie unbedingt in die schiefe alte Villa nach Kohlfincken ziehen.

Zusammen mit dem Nachbarsjungen Hotte kommt Melli dem gut gehüteten Geheimnis ihrer Urgroßschwiegercousine Emilie auf die Spur. Und entdeckt dabei ein Erbe, das es wirklich in sich hat …“

 

House of Ghosts – Das verflixte Vermächtnis (Band 1)

von Frank Maria Reifenberg, arsEdition 2017
176 Seiten, 17 Kapitel – für Leserinnen und Leser ab 10

Von innen

Gleich vorweg, „House of Ghosts“ und ich hatten einen etwas holprigen Start, was
– rückblickend betrachtet – sicherlich hauptsächlich an meiner lädierten Gesundheit lag. So las ich die ersten Kapitel mit arg verschnupftem Kopf, der vermutlich dafür sorgte, dass ich über zwei Dinge stolperte, die mein sonniges Gemüt in gesundem Zustand vermutlich noch nicht einmal bemerkt hätte. Letztlich konnten sie den positiven Gesamteindruck eh nicht schmälern, dennoch möchte ich sie nicht unerwähnt lassen.

Zunächst hätte ich mir ein wenig mehr Zeilenabstand gewünscht. Vermutlich wäre 1 Punkt zusätzlich schon ausreichend gewesen, um den Text weniger kompakt wirken zu lassen. So hasteten meine Augen aufgrund weniger Leerzeilen und fehlender Illustrationen ohne Verschnaufpause bis zum jeweiligen Kapitelende.
Und dann muss ich gestehen, dass sich mir die Einführung der Namen Bobbyboy und Big Bobby überhaupt nicht erschloss, da sie für den Fortgang der Geschichte völlig irrelevant waren. Mir persönlich hätten Mama, Papa, Melli und Bobby Bower als Namen durchaus gereicht, zumal man sich im Laufe der Geschichte noch einige, zum Teil sehr humorvolle Namen merken muss. Aber genug gemoppert!

„Humorvoll“ ist übrigens ein gutes Stichwort, denn obwohl es sich bei „House of Ghosts“ um eine gruselige Geschichte handelt, geben viele humorvolle Details ihr eine angenehme Leichtigkeit, so dass dem abendlichen Lesen nichts im Wege stehen dürfte.

Schon nach wenigen Seiten hält die Geschichte den Leser gefangen, denn bereits im zweiten Kapitel ist klar, dass in der Villa nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann. Geschickt eingesetzte Cliffhanger lassen ein Weglegen des Buches fast unmöglich erscheinen, und die überschaubare Kapitellänge tut ihr übriges. So ist man im Nu am Ende der Geschichte angekommen und froh, dass der Autor bereits fleißig an Band 2 arbeitet.

Einschätzung

Als Reifenberg-Fangirl komme ich auch dieses Mal nicht umhin, dem neuesten Werk des Kölner Autors den dicken Stempel „Empfehlenswert“ aufzudrücken. Die selbstbewusste Ich-Erzählerin Melli und ihr etwas verschrobener neuer Freund Hotte werden Mädchen wie Jungen gleichermaßen begeistern. Die Mischung aus gruseligen Elementen und humorvollen Teilen ist sehr gelungen, und das Erscheinen der Herren Erasmus Schöngeist und Lodovico Geistreich war für mich definitiv einer der Höhepunkte der Geschichte. Und auch wenn der Autor es noch bestreitet, komme ich nicht umhin, Ähnlichkeiten zu den Autoren Reifenberg und Bertram auszumachen. Mal sehen, ob sich mein erster Eindruck im kommenden Band noch verstärkt.

Mit einer Leseempfehlung ins neue Lesejahr

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

So oder zumindest so ähnlich fühle ich mich zweimal im Jahr, wenn die ersten Lesexemplare der aktuellen Verlagsvorschauen bei mir eintrudeln. Meist dauert es nicht lange, dann habe ich mich für ein Buch entschieden, das den Anfangspunkt des neuen Lese(halb)jahres markieren und mir hoffentlich einen guten Start in die neue Leserunde bescheren wird.

Für diesen Griff nach dem einen, dem ersten Buch zählen zunächst einmal Äußerlichkeiten. Spricht mich das Cover an? Macht der Titel neugierig? Ist der Klappentext gelungen? – Hier müssen auf jeden Fall schon einmal drei JAs her, und das hat „Zeitreise mit Hamster“ mit Bravour geschafft. Den gelben Buchschnitt gab es als i-Tüpfelchen noch oben drauf.

Von außen

zeitreise mit hamster„Hätte mich früher einer gefragt, ich hätte gesagt, dass eine Zeitmaschine vermutlich wie ein U-Boot aussieht. Oder vielleicht wie eine Rakete. Stattdessen schaue ich jetzt auf einen Laptop und eine Zinkwanne aus dem Gartencenter.
Das ist Dads Zeitmaschine. Und sie wird die Welt verändern. Na ja, auf jeden Fall meine.“

Al Chaudhury hat eine unglaubliche Chance. Er kann das Leben seines verstorbenen Vaters retten. Das Einzige, was er dafür tun muss: in das Jahr 1984 zurückreisen, um einen schicksalsvollen Gokart-Unfall zu verhindern … (Leseprobe)

Zeitreise mit Hamster

von Ross Welford, aus dem Englischen von Petra Knese, Coppenrath Verlag 2017
368 Seiten, 85 Kapitel – für Leserinnen und Leser ab 10 (bis mind. 46!)

Von innen

Sollte es wie vor zehn Jahren noch einmal den Wettbewerb „Schönste erste Sätze“ geben, dann wäre Ross Welford mit Sicherheit dabei. Niemand, wirklich niemand könnte diesen Debütroman wieder weglegen, nachdem er diese zwei Sätze gelesen hat:

„Mein Dad ist zweimal gestorben. Einmal mit neununddreißig und noch einmal vier Jahre später mit zwölf.“

Und spätestens wenn im weiteren Verlauf des einseitigen Prologs das Wort „Zeitmaschine“ fällt, hängen wir am sprichwörtlichen Fliegenfänger und aus dem anfänglich geplanten Anlesen wird schließlich ein atemloses Durchlesen.

In 85 Kapiteln ganz unterschiedlicher Länge folgen wir dem zwölfjährigen Ich-Erzähler Al durch Raum und Zeit. Dabei spricht er den Leser direkt an und gibt – in Klammern gesetzt – häufig noch weiterführende Erläuterungen oder genauere Beschreibungen ab. Mit Leichtigkeit meistern wir erzähltechnische Zeitsprünge und erfahren aufgrund des Zeitreise-Themas ganz nebenbei auch noch etwas über Einsteins Relativitätstheorie.

Einschätzung

„Zeitreise mit Hamster“ ist ganz vieles, nur eben kein Science-Fiction-Roman. Und genau das macht ihn vermutlich so einzigartig. Er umfasst die vielfältigsten Themen (Verlust, Patchworkfamilie, Mobbing, Gedächtnistraining, Indien, Technik, Zeitreise) ohne jemals überladen oder gar bemüht zu wirken. Die Geschichte ist von der ersten Seite an spannend, die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet, die Handlung ist schlüssig, die Kapitel unterschiedlich und nicht zu lang gestaltet. Die Sprache des Ich-Erzählers ist abwechslungsreich, kindgerecht aber nicht kindlich und so flüssig zu lesen, dass die Zeit wie im Fluge – oder besser gesagt wie in einer Zeitmaschine – vergeht.

Von mir gibt es eine dicke Leseempfehlung mit Ausrufezeichen! Es war mir ein großes Vergnügen, mein Lesejahr mit einem derartigen Highlight zu beginnen.

 

 

 

BEO – ein besonderer Hörbuchpreis

Ganz ehrlich? Ich bin ein Fan von ausgeschriebenen Kinder(hör)buch-Preisen, von dotierten sowieso und wenn diese dann auch noch in einem würdigen Rahmen verliehen werden, bin ich geradezu entzückt. So war meine Vorfreude auf die feierliche Preisverleihung des Deutschen Kinderhörbuchpreises BEO, der ich zum zweiten Mal beiwohnen konnte, mehr als verständlich.

Der Beo Kinderhörbuchpreis ist der einzige Preis, der sich ausschließlich den Hörbüchern bzw. -spielen für Kinder und Jugendliche widmet und das finde ich richtig gut. Denn genauso wie man auf dem Buchmarkt unter 8.000 Neuerscheinungen pro Jahr im Bereich Kinder- und Jugendliteratur gerne den Überblick verliert, so geht es einem im Hörbuchsektor nicht wirklich anders. Wie schön also, dass eine namhafte Fachjury aus neun Mitgliedern und eine Kinderjury, dieses Jahr bestehend aus 18 Kindern der Klassenstufe 4 und 5 der Freien Montessori Schule in Berlin-Köpenick, für mehr Licht im Dunkeln des Hörbuch-Dschungels sorgten.

Der Film über die BEO Kinderjury zeigt, wie intensiv sich die Schülerinnen und Schüler mit den einzelnen Hörbüchern auseinandersetzten. Besonders spannend ist auch das Statement der Lehrerinnen (bei 2:00 Min.), dass über das Hörbuch auch Wenigleser literarische Sprache mitbekommen und später auch einsetzen.

In drei Kategorien (0 bis 6, 7 bis 11, ab 12 Jahren), dazu ein Sonderpreis und der Preis der Kinderjury, wurde der BEO, der in jedem Jahr von einem anderen Künstler entworfen wird, in diesem Jahr bereits zum vierten Mal verliehen.

So fand sich am Abend der Preisverleihung eine illustre Gästeschar aus Autor*innen, Verleger*innen, Hörbuchsprecher*innen und Menschen, die irgendwie ihre Finger im Spiel haben, wenn es um Hörbücher geht, im Foyer des Thalia Theaters in Hamburg-Altona ein. Übrigens ein sehr „kuscheliger“ Rahmen, der einen mit Leichtigkeit mit vielen Menschen ins Gespräch kommen ließ. Unter der Regie von Ludwig von Otting führten Cornelia Schirmer und Tilo Werner, musikalisch begleitet von Lutz Krajenski, singend, tanzend und witzelnd durchs Programm.

Und dieses Programm hatte es in sich, schließlich waren die Preisträger*innen Sandra Keck, Mechthild Großmann (im Beitragsfoto mit einigen Kindern der Kinderjury zu sehen) und Bastian Pastewka extra angereist, um uns Kostproben ihrer stimmlichen Erzählkunst zu liefern und selbst Christoph-Maria Herbst, der es aus terminlichen Gründen nicht nach Hamburg schaffte, wendete sich in einer sehr humorvollen Videobotschaft an das Publikum.

beo-gala-16-02Ob  die Zwischenrufe des auf der Bühne stehenden (künstlichen) Beos die sich eh schon oft ins Wort fallenden Moderatoren nicht eher störte als für Belustigung zu sorgen, lasse ich mal dahingestellt.

Eine schöne und würdige Preisverleihung war es aber definitiv und beim anschließenden Glas Sekt und dem einen oder anderen Häppchen fand man auch ausreichend Zeit, mit vielen Hörbuchmenschen ins Gespräch zu kommen.

Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf den fünften BEO im November 2017.

Und hier noch einmal die Gewinner des BEO 2016 (als PDF):

Kategorie I (0-6 Jahre)
Bastian Pastewka – ausgezeichnet als Interpret
Marlene Breuer – ausgezeichnet als Regisseurin

Torben Kuhlmann – Lindbergh. Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus
Der Hörverlag / hr2 Kultur

Kategorie II  (7-11 Jahre)
Christoph Maria Herbst – ausgezeichnet als Interpret

Jory John / Mac Barnett – Miles & Niles. Hirnzellen im Hinterhalt
Aus dem Englischen von Alexandra Ernst
Der Hörverlag

Kategorie III (Ab 12 Jahre)
Sandra Keck – ausgezeichnet als Interpretin
Rainer Gussek – ausgezeichnet als Regisseur

B.E. Hassell / M.H. Magnadottir – Dämmerhöhe. Lautlos
Aus dem Isländischen von Anika Wolf
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Sonderpreis Bestes Hörspiel für Kinder/Jugendliche
Cornelia Funke, Frank Gustavus, Jan-Peter Pflug, Kay Poppe, Christiane Krah und
Helena Thiemann – ausgezeichnet als Hörspielkreative

Cornelia Funke – Tintentod. Das Hörspiel
Oetinger audio

Preis der Kinderjury
Mechthild Großmann – ausgezeichnet als Interpretin

Anne Fine – Tagebuch einer Killerkatze
Aus dem Englischen von Barbara Heller
Oetinger audio


Ein herzliches Dankeschön an den Fotografen Vincent Schaack, unter dessen Copyright die Fotos dieses Beitrags stehen.

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Hamburg, meine (Kinderbuch-)Perle

Hamburg ist immer eine Reise wert, und mit der Elbphilharmonie hat der Besucher ab jetzt eine Sehenswürdigkeit mehr, die es „abzuklappern“ gilt. Doch auch wenn ich diesem Jahrhundertbauwerk meine Aufwartung machte, so galt mein Besuch in der Hansestadt doch ganz anderen „Sehenswürdigkeiten“.

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Die Elbphilharmonie in Hamburg

Man kann Hamburg sicherlich – neben Berlin und Frankfurt – als Verlagshauptstadt bezeichnen und in Sachen Kinder- und Jugendmedien ist die Stadt im hohen Norden wahrlich gut aufgestellt. Gleich zwei große Verlagshäuser für Kinder- und Jugendbücher fallen mir sofort ein und jede Menge kleine aber feine Verlage für Kinderbücher und -hörbücher sowieso. Dazu gesellen sich noch das Kinderbuchhaus im Altonaer Museum, das sich seit über 10 Jahren liebevoll und in besonderem Maße den Bilderbüchern zuwendet. Zahlreiche auf das Kinderbuch spezialisierte Buchhandlungen runden das Gesamtpaket ab.

Kein Wunder also, dass ich meine Reise zur Preisverleihung des BEO-Kinderhörbuchpreises  (Bericht folgt) gleich einmal um einen Tag ausdehnte, um mich in der Kinderbuchlandschaft Hamburgs ein wenig umzuschauen. Tatsächlich beschränkte ich mich sogar auf den Stadtteil Altona und konnte per Pedes die Verlage Oetinger und Carlsen und das Kinderkulturkaufhaus Knuffels besuchen.

Bei Oetinger Media gibt es was auf die Ohren

Bei Oetinger zog es mich dieses Mal in die Abteilung Oetinger Media, die (inklusive Igel Records) auf 120 Neuerscheinungen pro Jahr in Sachen Hörspiel/-buch kommt. Als „Trüffelschwein“ bezeichnete sich der Geschäftsführer Markus Langer, der mir Rede und Antwort stand und sich mit Vorliebe auf die Suche nach coolen Kinderliedern begibt. Und das – wie ich meine – sehr erfolgreich, denn bereits für Unter meinem Bett 1 und 2 konnten  zahlreiche, namhafte Singer-Songwriter gewonnen werden. Seit 2007 gibt es zudem den DVD-Bereich Oetinger Kino, dessen Programm es mittlerweile auch schon auf gut 100 Verfilmungen bringt.

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tonies® – das neue Audiosystem für’s Kinderzimmer

So richtig „geflasht“ allerdings war ich von der Tonie-Audiobox, die in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde. Dabei handelt es sich um ein CD-freies Audiosystem, das mit kleinen, schleichähnlichen Figuren funktioniert. So wird beispielsweise eine Olchi-Figur auf das Gerät gestellt und das entsprechende Hörspiel beginnt. Mittlerweile gibt es schon viele Verlage, die per Tonie Inhalte bereitstellen. Ich wünschte mir wirklich sehr, dass meine Kinder noch einmal klein wären. Wie das ganze funktioniert, erklärt dieses Video, das in der Lokalzeit Düsseldorf im WDR ausgestrahlt wurde.

Carlsen: viel mehr als Harry Potter

Von Oetinger aus machte ich mich auf den Weg zum Carlsen Verlag und konnte mein Ziel dank Strichmännchen Hartmut und seinen Freunden nicht verfehlen.

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Im Eingangsbereich wurde ich bereits von Pixi erwartet, einer Figur, der zumindest vorlesende Eltern regelmäßig begegnen. Mit über 2.000 Titeln und einer Gesamtauflage von mehr als 450 Millionen Exemplaren ist diese Buchreihe übrigens die erfolgreichste aller Zeiten. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass Carlsen nicht nur Kinder- und Jugendbücher, allen voran Harry Potter, zu bieten hat, sondern neben den zahlreichen Pixi-Büchern eben auch jede Menge Graphic Novels und Mangas. Dafür benötigt man natürlich auch viele Mitarbeiter (rund 150) und ein großes Verlagsgebäude (und Nebengebäude), und so hatte mein Verlagsrundgang ein wenig etwas von einer Wanderung.

datei-05Bei meinen Besuchen in den Verlagen versuche ich immer,  einen Blick in die Lizenzabteilung und dort in das Archivregal mit den Belegexemplaren zu werfen.

Auch dieses Mal wurde ich fündig und konnte einmal mehr erfahren, wie unterschiedlich doch Cover-Geschmäcker in den einzelnen Ländern sein können. Der deutsche Titel, der sich hinter dieser russischen Ausgabe verbirgt, sieht beispielsweise völlig anders aus. Könnt ihr den Originaltitel erraten?

Knuffels – das Kinderkulturkaufhaus

Zumindest eine Buchhandlung vor Ort muss ich bei all meinen Reisen immer besuchen. Da lag es also nahe, in Altona zu bleiben und die Kinderbuchhandlung Knuffels zu besuchen. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, fand ich im kleinen Laden an der Bahrenfelder Straße 68 doch ein liebevoll zusammengestelltes Sortiment an Bilder-, Kinder- und Jugendbüchern vor, von denen ich einige kannte, andere wiederum nicht, weshalb ich auch nicht umhin kam, zwei weitere Bilderbücher meiner Sammlung zuzuführen.

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Das große Hamburg-Erklär-Buch aus dem Hamburger Junius Verlag (im Titelbild links) ist übrigens großartig und ich kann es nur jedem Hamburg-Besucher – egal ob groß oder klein – empfehlen.

Last but not least

datei-06Zu allerletzt möchte ich euch noch meine neueste Errungenschaft zeigen. Knallrot und garantiert wasserfest und ein wenig sehe ich jetzt auch aus wie Pixi.

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Diogenes – Kinderbücher mit Charakter!

Vor einigen Wochen suchte ich unter den Bilderbuch-Redakteuren jemanden, der die Bilderbücher aus dem Diogenes Verlag genauer unter die Lupe nimmt. Sabrina Kalmykov aus der Redaktion meldete sich sofort. Hier kommt nun ihr Blogbeitrag über …

Kinderbücher mit Charakter

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Aus: „Kein Kuss für Mutter“

Sollte es für den ein oder anderen nicht sofort greifbar sein: Diogenes, das sind so tolle Bücher wie zum Beispiel „Wo die wilden Kerle wohnen“, „Der Maulwurf Grabowksi“ oder „Ein Apfelbaum im Bauch“.

Und auch eins meiner absoluten Lieblingsbücher ist in diesem Verlag erschienen: „Kein Kuss für Mutter“.

Es sind keine Kinderbücher, so wie man sie sich vielleicht erst mal vorstellt: glatt und lieb, nicht unbedingt tiefgründig, oft mit absehbaren Friede Freude Eierkuchen Enden.
Nein – hier handelt es sich um Kinderbücher mit Profil, mit Charakter, mit politischen und moralischen Botschaften. Die Geschichten und Bilder regen die Leser (Vorleser und Zuhörer) dazu an, ihre Fantasie zu nutzen und sich ihre Umwelt genauer anzuschauen. Kinder werden aufgefordert kritisch zu denken.

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Aus: „Ferdinand der Stier“

Wir werden dazu angehalten, unseren Lebenswandel und unseren Umgang mit der Welt genauer zu betrachten:

Warum wird die schöne Wiese wo der Maulwurf Grabowski wohnt, zubetoniert, und wieso zwingt man Ferdinand den friedlichen Stier, in einer Arena zu kämpfen?

 

Es sind auch Kinderbücher, mit unerwarteten Enden und widerspenstigen Protagonisten. Wo Eltern letztlich doch nicht ihren Willen bekommen. Wo Kinder frech, wild, aufmüpfig und temperamentvoll sein dürfen, und Mütter auch mal einen Denkzettel verpasst bekommen. Es wird auch schon mal gebrüllt. Und vielleicht gibt es auch Tipps, wie man nur so tun kann, als würde man sich die Zähne putzen.

Aber nicht nur das Innere der Bücher macht sie so besonders. Jedes Stück ist in seiner Gestaltung einzigartig, mit Sorgfalt liebevoll hergerichtet. Sie wirken allesamt sehr hochwertig. Manche Bücher kommen in einer Aufmachung daher, die eigentlich schon antiquarisch anmutet, im Stile der 50er Jahre.
„Eine lange Straße lang“ wiederum wird mit einem 6 (sechs) Meter langem Poster geliefert.

Ein Großteil der Bände hat einen Schutzumschlag, was bei Kinderbüchern erst einmal irgendwie umständlich wirkt, weil die kleinen Hände das unter Umständen nicht so gut handhaben können. Aber eigentlich zeigt es, dass Kinder und ihre Bücher hier genauso viel wert und genau so wichtig sind, wie Erwachsenenbücher.

Kinderbücher mit Ecken und Kanten

Diogenes Kinderbücher treffen vielleicht nicht jedermanns Geschmack, gegebenenfalls ecken sie auch hier und da mal an. Aber gerade das macht sie so spannend!

Hier kommen jetzt noch ein paar Beispiele, lauter klasse Kinderbücher aus dem Diogenes Verlag:

Ein Apfelbaum im Bauch von Simon Boulerice und Gérard Dubois sieht aus als wäre es uralt. Ist es aber nicht! Denn der Autor ist selbst gerade in seinen 30ern.
Der kleine Raphael liebt Äpfel über alles. Jeden Tag isst er einen, und zwar mit allem Drum und Dran – außer dem Stiel. Doch sein Schulkamerad Rémi ist überzeugt: in Raphaels Bauch wachsen jetzt bestimmt Bäume! Schon arbeitet Raphaels Fantasie auf Hochtouren. Er sieht schon, wie sein Bauch ganz verbeult ist, vor lauter Bäumen, und wie seine Hände langsam zu Ästen werden! Zum Glück kann seine Mama ihn aber beruhigen, und alles wird wieder gut. Allerdings gibt es für Raphael in Zukunft wohl doch eher Bananen anstatt Äpfeln!
Die kindliche Fantasie wird hier ganz rührend dargestellt, untermalt von tollen Bildern und wunderbar einfühlsam geschrieben.

Ferdinand der Stier von Munro Leaf, illustriert von Robert Lawson.
Ferdinand lebt in Spanien. Im Gegensatz zu seinen Artgenossen, die sich ständig raufen, um eines Tages in einer Arena kämpfen zu dürfen, liebt Ferdinand die Ruhe. Und er liebt den Duft von Blumen. Am liebsten möchte er den ganzen Tag unter seinem Baum sitzen, und Blumen beschnuppern. Doch dann wird er ausgewählt, um in die Arena gebracht zu werden. Ferdinand weiß gar nicht, was er da soll. All die Pikadores und Banderilleros, und erst der Torero! Alle warten auf den großen, mächtigen Ferdinand! Doch er, er will doch nur den Duft von Blumen genießen!
Dieses Buch ist nicht umsonst seit über 50 Jahren ein Klassiker. Es ist so charmant, so liebevoll, so witzig, und nicht zuletzt: so voller Botschaften. Selbstredend wird der Stierkampf thematisiert und ins lächerliche gezogen. Aber es sagt auch: Sei wie du bist! Lass dich nicht in eine Form pressen und steh zu dir selbst!
Einfach ein ganz wertvolles Buch.

Frank Viva ist ein preisgekrönter Grafik Designer, dessen Illustrationen in Zeitungen wie „Die New York Times“ erschienen sind. Außerdem bereist er den ganzen Globus mit seinem Fahrrad. Und so nimmt er in seinem Werk Eine lange Straße lang seine Leser mit auf die Reise, immer der gelben Straße folgend. Wenige Worte und nur 5 Farben unterzeichnen die Weite des Raums, die Geschwindigkeit, die Unendlichkeit der Reise.
Der Stil ist einmalig und der Band kommt noch dazu mit einem 6 Meter langen Plakat, das die Seiten des Buches aneinander reiht, damit wir die Reise immer weiter führen können!

Wo die wilden Kerle wohnen von Maurice Sendak. Auch hier wieder ein absoluter Klassiker seit über 50 Jahren.

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Aus: „Wo die wilden Kerle wohnen“

Max ist ein wilder kleiner Kerl, der ohne Abendessen ins Bett soll! Sowas ungerechtes! Da bricht er auf, reist über die Meere, bis zu dem Land, wo die wilden Kerle wohnen! Ganz fürchterliche Kerle! Ganz schreckenerregende Monster! Aber Max, der wilde Max in seinem Wolfskostüm, der zähmt sie allesamt, und wird zum König der wilden Kerle! Zusammen machen sie Krach, und brüllen herum, und machen lauter Unfug! Und dann schickt Max die wilden Kerle ohne Essen ins Bett. Angelockt vom Duft nach gutem Essen, reist Max wieder zurück, über die Meere, bis zurück in sein kleines Zimmer – wo sein Essen auf ihn wartet.
Es ist einfach großartig, wie hier das Bedürfnis von Kindern dargestellt wird, die Ungerechtigkeiten in ihrer Welt zu verarbeiten, wie sie sich in ihrer Fantasie ganze Universen kreieren, sich aus ihrer Realität wegträumen, um dann wieder ganz entspannt zurück zu kommen. Und die Bilder: einfach grandios.

In Weggepustet von Rob Biddulph, bekommt der kleine Pinguin Blau einen neuen Drachen, packt ihn aus, und – wusch – wird er weggeweht. Und eine ganze Reihe seiner Freunde ebenfalls. Sie verlassen die Arktis und landen mitten im Dschungel.
Die Geschichte von Blau und seinen Freunden ist in witzigen kurzen Versen geschrieben. Besonders zu beachten sind hier die Illustrationen: Sie sind bunt, und einfach, aber eindrucksvoll, und trotz der Einfachheit voller witziger kleiner Details! Es macht Spaß sich das Buch anzusehen, die kleinen Feinheiten zu finden, und herauszufinden, wie es weiter geht!

Tobi Tatze aus Kein Kuss für Mutter von Tomi Ungerer ist ein ganz schön fieser kleiner Kater. Er macht Sachen kaputt, wäscht sich nicht, putzt sich nicht die Zähne, prügelt sich in der Schule, macht keine Hausaufgaben, und eins kann er ganz besonders nicht leiden: Küsse. Ständig will seine Mutter ihn küssen. Sie verhätschelt ihn und tätschelt ihn und behandelt ihn wie ein kleines Baby. Und dann versucht sie auch noch ihm ein schlechtes Gewissen zu machen.
Aber nicht mit Tobi. Als Mutter Tatze ihren Sohn zum Mittagessen abholen will, explodiert er. Und dann wird die Mutter wütend. Das Donnerwetter zwischen den beiden ist aber klärend, und so kommen die beiden sich, auf ihre Art, ein bisschen näher.
Der Untertitel „Eine Geschichte über zu wenig oder zu viel Liebe“ spricht schon Bände. In diesem Buch trifft ein ausgesprochen fieser kleiner Kerl, der ein bisschen Freiheit sucht, auf eine ausgesprochen übereifrige, einengende Mutter, die nicht loslassen will. Und am Ende lernen die Protagonisten und auch die Leser: Liebe besteht auch manchmal aus Kompromissen und gegenseitigem Verständnis.

Knigi ist ein kleiner Geist. Zu seiner Geburtsnacht bekommt er ein Buch geschenkt und ist ganz gespannt! Aber: das Buch ist vollkommen leer! Wie sich herausstellt, sind alle Bücher in der Geisterwelt leer. Was soll denn das? Wie soll er denn ein Buch lesen, in dem gar nix steht? Und dann, dann lernt er es: nicht das Buch gibt ihm eine Geschichte vor, sondern er füllt das Buch mit Geschichten! Indem er seiner Fantasie freien Lauf lässt, erweckt er das leere Buch zum Leben!
Benjamin Sommerhalder zeichnet uns in seinem Buch eine Welt ganz in Schwarzweiß. Einfachste Grafiken völlig ohne Farbe bilden die Welt von Knigi. Bis die Fantasie zum Leben erwacht und eine komplette Palette Farben mit sich bringt.
Dieses Buch ist ein Buch darüber, dass man auch in seiner Fantasie bunte, lebendige Abenteuer erleben kann! Eine klasse Lektion für alle großen und kleinen Kinder!

Und last but not least, sei hier noch Der Maulwurf Grabowski von Luis Murschetz vorgestellt.

Aus: "Der Maulwurf Grabowski"

Aus: „Der Maulwurf Grabowski“

Der kleine Maulwurf Grabowski wohnt in einer gemütlichen Wiese am Stadtrand. Tagsüber buddelt er Gänge unter die Wiese, und am Abend, da schaut er sich die Lichter der Stadt an. Das ist ein angenehmes Maulwurfleben.
Doch eines Tages wird alles anders. Es kommen viele Menschen, mit schweren Maschinen, die machen krach von morgens früh bis abends spät, und der arme Grabowski weiß gar nicht mehr wie ihm geschieht. Seine schöne weiche Erde wird schwer und hart. Große Klauen packen ihn und werfen ihn ab. Der kleine Maulwurf ist völlig außer sich vor Angst. Also flüchtet er, läuft über lebensgefährliche Straßen, bis er endlich eine neue Wiese findet, mit weicher, duftender Erde.
Ein eindrucksvolles Buch, das sowohl Erwachsene als auch Kinder dazu auffordert, sich mal darüber bewusst zu werden, was die Menschheit jeden Tag diesem Planeten und dessen Bewohner antut.

Jedes dieser Bücher hat seinen Charme! Wir geben sie sicher nicht mehr her!

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