Besuch im Dumont Kalenderverlag

Wo und wie werden Kalender eigentlich entworfen und hergestellt? Raphael (15) aus der Kinder- und Jugendredaktion hat sich beim Dumont Kalenderverlag in Köln umgeschaut.

Im Dumont Kalenderverlag wurden Stefanie Leo und ich am letzten Ferientag von der Geschäftsführerin Anette Philippen begrüßt. In einem kleinen Teil des riesigen Verlagshauses von Dumont, in dem neben dem Buchverlag vor allem der Kölner Stadtanzeiger sowie der Express verlegt und gedruckt werden, entwerfen und vertreiben acht Frauen jedes Jahr um die 200 verschiedenen Kalender. Ich durfte einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Das Neven Dumont Haus in Köln

Ganz anders als im Buchverlag

Das Kalendergeschäft ist sehr risikoreich, klingt logisch, war mir vorher aber gar nicht bewusst. Genaue Kalkulationen sind überlebenswichtig in diesem Geschäft, jedes Jahr bleiben ca. 10-15% der Kalender über, was natürlich mit einberechnet werden muss. Einige davon werden an Einrichtungen wie Kindergärten oder Krankenhäuser gespendet, doch der Großteil der Überbleibsel muss vernichtet werden, was natürlich nicht nur traurig ist, sondern auch nicht besonders nachhaltig. Dafür sind aber fast alle Druckereien des Verlages unmittelbar in Deutschland, was nicht nur gut für Umwelt und Qualität ist, sondern auch notwendig für schnelle Nachproduktionen sein kann.

Topp oder Flopp?

Eine Maxime des Verlags ist, dass alle Kalender mindestens zwei Jahre hintereinander im Handel sein müssen, bevor entschieden wird, ob man das Thema weiterführt. Zu Flops kommt es trotzdem hin und wieder, wenn zum Beispiel alle Buchhändler total begeistert von einem neuen Produkt sind, der Kalender aber nicht bei den Kunden ankommt. Denn dann muss Dumont den Händlern alle nicht verkauften Produkte erstatten. Man muss zudem jedes Jahr stark im Voraus planen, im August 2018 sind die Kalender für 2019 bereits zu großen Teilen im Handel, und die Redakteurinnen müssen gedanklich noch ein Jahr weiter sein, um das Programm für 2020 zu planen. Dabei kommt es manchmal zu lustigen Verwechslungen, zum Beispiel passiert es des öfteren, dass die Frauen im Supermarkt die Verfallsdaten durchsehen und denken, dass manche Produkte schon abgelaufen seien, bis ihnen an der Kasse auffällt, dass noch nicht 2019 oder gar 2020 ist.

Dumonts neuer Küchenkalender vor 30 Jahren und heute

Der Klassiker

Die Bilder für die vielen Kalender gelangen auf unterschiedlichen Wegen zu Dumont. Viele Fotografen schicken ihre Bilder seit vielen Jahre zum Verlag, zum Beispiel Christel Rosenfeld, deren Küchenkalender dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Es kommt auch häufig vor, dass die Redakteurinnen durch Zufall auf einen Künstler oder Fotografen aufmerksam werden und dessen Bilder anfragen.

Der Dumont Kalenderverlag bekommt auch sehr viel „Fanpost“. Sei es von alten Damen, die sich darüber beschweren, dass bei ihrem Lieblingskalender nach 20 Jahren das Design geändert wurde, oder Amateurfotografen, die von ihren Freunden dazu gedrängt wurden, ihre Bilder einzusenden („Du kannst doch so gut fotografieren!“). Bei letzterer Kategorie ist sogar hin und wieder ein Glückstreffer dabei.

Ich werde Kalender in Zukunft mit anderen Augen betrachten!

Raphael Mergehenn (15) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Raphael ist 15 Jahre alt, seit 4 Jahren Bücherkind. Er liest am liebsten Fantasy und Abenteuer, bei anderen Genres kommt es auf’s Thema an. Wenn ihn die ersten ein bis zwei Kapitel fesseln, dann liest er auch schon mal 1.000 Seiten weg wie nichts. Neben der Schule spielt Raphael Tennis, ist im Chor und gibt Nachhilfe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.