Nominierungen Sachbuch #djlp19

Seit 1956 zeichnet der Deutsche Jugendliteraturpreis jährlich herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur aus. Die Redaktion hat einen Blick auf einige der in der Kategorie Sachbuch nominierten Bücher geworfen.

Was wird aus uns?
Nachdenken über die Natur

Sachbuch ab 5
von Antje Damm
Moritz 2018

Diesem Bilderbuch liegt die Frage zugrunde „Was wird aus uns?“. Der Betrachter wird durch Situationsaufnahmen zum Nachdenken über die Natur angeregt. Da meist eine Frage und ganz vereinzelt eine Erklärung zu den Bildern angefügt ist, bedarf die Betrachtung einer Begleitung durch einen Erwachsenen. Im Dialog können die einzelnen Darstellungen erklärt, diskutiert und hinterfragt werden.

Ein Beispiel ist die Abbildung eines Schweines, das am Boden liegt und von Kinderhänden angefasst wird. Die dazugehörige Frage lautet: „Können Tiere uns vertrauen?“. Die Zeichnung auf der gegenüberliegenden Seite zeigt einen Keller, eine geöffnete Mausefalle und eine Maus. Die jungen Betrachter werden zum Philosophieren, Nachdenken und zum Hinterfragen angeregt, was besonders in der heutigen medialen Welt sehr wichtig ist, um sich selbst eine eigene Meinung bilden zu können.

Überwiegend sind reale Aufnahmen in Buch, vereinzelt sind Illustrationen oder grafische Darstellungen zu finden. Dieses Bilderbuch bietet eine sehr passende und lebensnahe Anregung zur eigenen Meinungsbildung und Lebensgestaltung.

Eva Wimmer aus der Bilderbuchredaktion

Wanderungen

Sachbuch ab 5
von Mike Unwin
illustriert von Jenni Desmond
übersetzt von Stephanie Menge
Fischer Sauerländer 2018

Das Buch Wanderungen von Mike Unwin und Jenni Desmond ist ein Sachbuch über die Reisen der Tiere im Laufe der Jahreszeiten.

Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen. Schon das Format ist ungewöhnlich und ich liebe es, wie die Tiere gezeichnet sind, weil ich mir dabei soviel vorstellen kann. Irgendwie ist es wie der Anfang einer Geschichte in meinem Kopf.

Jede Seite ist wie ein Abenteuer, bei der ich mir oft vorgestellt habe dabei zu sein. Überall habe ich etwas Neues gelernt . Am meisten überrascht hat mich mein Lieblingstier, die Meeresschildkröte. Sie kann so schwer sein wie 2 Männer!!
Ich konnte das Buch jetzt schon für die Schule nutzen, da ich die einzelnen Tiere so schnell finden kann und man die Reisen besser versteht als im Internet.

Ich kann Wanderungen nur empfehlen und bin froh, es zu haben.

Jonas Sieburg (9) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Hundert
Was du im Leben lernen wirst

Sachbuch ab 7
von Heike Faller
illustriert von Valerio Vidali
Kein & Aber 2018

Hundert ist ein sehr schönes Buch für Kinder und Erwachsene von Heike Faller und Valerio Vidali. Jede Seite steht für ein Jahr des Lebens von 0-100 und was man in dem Jahr vielleicht lernt oder entdeckt.

Zum Beispiel steht im Alter 46 und 47 der Satz: „Vielleicht lernst Du erst jetzt, wie es sich anfühlt, jemanden zu verlieren.“, dazu sind zwei Menschen mit einem Hund gezeichnet, die auf das Meer schauen.
Im Buch sind Seiten die fröhlich wirken, aber auch traurige und nachdenklich machende Seiten sind dabei.  Die Zeichnungen sind einfach aber eindrucksvoll. Sie laden zum Träumen und Fantasieren ein. Was man lernt, ist immer nur mit einem Satz beschrieben, dadurch kann man viel selbst weiterdenken.

Das Buch gefällt mir sehr gut, schon der schön gezeichnete Umschlag hat mich sofort angesprochen. Sehr schön ist es, die Seiten gemeinsam mit der Familie durchzuschauen und darüber zu sprechen. Das macht es für mich dann spannend und lebendig.
Deshalb empfehle ich das Buch auch für alle Menschen von Null bis Hundert, ich finde es aber wichtig, dass es gemeinsam angeschaut wird, weil es dann auch für die Kinder ganz besonders wird.

Ole Morgenstern (10) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Schau mir in die Augen, Dürer

Sachbuch ab 12
von Susanna Partsch
C.H. Beck 2018

Museen und Kunsthallen im Allgemeinen und womöglich den Alten Meistern im Besonderen haftet nach wie vor eine Atmosphäre des Entrückten, Elitären, für Normalsterbliche nicht ganz Fassbaren und in jedem Fall die eigene Kompetenz übersteigenden an – Kinder wie Erwachsene haben Berührungsängste, weil sie häufig ganz banale Fragen, die sich aber dennoch beim Betrachten der Werke einstellen, nicht beantworten können. Um diese Hemmschwelle zu überwinden, die Kunst tatsächlich lebendig und erlebbar zu machen und somit auch eine neue Freude und ein unverkrampftes Interesse daran zu wecken, setzt Susanna Partschs umfangreiches Kompendium genau hier an: Fragen, die bisweilen zu simpel oder weltlich scheinen, um die zu stellen, werden nach Themen geordnet in Angriff genommen und so ein Blick hinter die Kulissen einer faszinierenden Welt geöffnet, die durchaus auch ein junges Publikum zu begeistern vermag.

Wieso eigentlich Alte Meister? Gibt es denn auch Junge Meister? Und warum finden sich eigentlich kaum Meisterinnen? Geschichtlich geht es los, von den Anfängen der Museen über die Lebens- und Arbeitsbedingungen früher Künstler bis hin zu deren Verhältnis untereinander. Eine tragende Rolle spielt auch der Fragenkomplex um die behandelten Themen: Was sollten denn die ganzen Selbstbildnisse? Warum sind Frauen oft dick? Und wieso malten christliche Künstler antike Götter und Helden? Damit in Zusammenhand steht freilich die Deutung – und wie man Bilder überhaupt entschlüsselt. Oder konkret: Wieso muss Marias Mantel immer blau sein? Beinahe unerwartet spannend gestaltet sich der Einblick in Material und Techniken: Haben Künstler früher sich schon über die Haltbarkeit ihrer Werke Gedanken gemacht? Und warum gibt es so wenige Aquarelle in den Museen? Hier wird nun auch die Brücke in die Moderne geschlagen, und es geht bis tief hinein in die Kriminalistik: Wie erkennt man Fälschungen, und sind wir eigentlich immer hundertprozentig sicher, dass ein Bild von einem bestimmten Meister stammt? Zu guter Letzt der Blick in die Museen der Gegenwart, denn man fragt sich doch: Ist alte Kunst heute teurer als moderne? Warum sind einige Bilder so berühmt – und werden manche heutigen Werke irgendwann ähnlichen Status haben? Und wie haben die Alten Meister das, was wir heute als Kunst verstehen und erleben, beeinflusst?

Mit einem Glossar sowie den Kurzbiographien der erwähnten Künstler schließt das Buch, und wer es von vorn bis hinten gelesen hat, der spürt förmlich, wie viel neues Wissen nun im Kopf einsortiert werden muss. Dennoch gelingt es der Autorin – von einigen Ausschweifungen und Längen abgesehen – auf bemerkenswerte Weise, dem Thema seine Schwere zu nehmen und die Alten Meister zu entstauben und ein wenig zu enträtseln. Wodurch sie keineswegs an Mystik und Reiz einbüßen, sondern vielmehr gewinnen. Somit ist das gesamte Buch ein Gewinn – und hat sich seine Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis redlich verdient.

Fabienne Pfeiffer aus der Bilderbuchredaktion

Extremismus

Sachbuch ab 13
von Anja Reumschüssel
Carlsen 2018

Leider ohne Bewertung

Heimat

Sachbuch ab 14
von Nora Krug
Penguin Verlag 2018

Nora Krug gibt uns einen Einblick in ihre Familiengeschichte. Zurück zu Urgroßvater und Urgroßmutter begibt sie sich auf eine spannende Reise. Einige Fragen werden beantwortet, einige Fragen bleiben offen und werden vielleicht nie aufgeklärt.

Das Cover ist schön gezeichnet, es passt zu den Bildern im Innenteil. Viele Originaldokumente, alte Fotos von einfach allem. Manchmal musste ich gucken, wo ich weiter lesen muss, da die Sätze ab und an durch Bilder unterbrochen wurden. Sonst konnte ich alles gut lesen, selbst die Sütterlinschrift konnte ich, dank meiner Eltern, entziffern.

Toll fand ich den Katalog deutscher Dinge, die vielen alten Sachen und wie Familie Krug die NS-Zeit überstanden hat. Offen und ehrlich stellt Nora Krug Fragen – hat Willi 1938 seine Sozialdemokraten gewählt oder doch die NSDAP? „Ein Mann dazwischen“! Wie schuldig war die eigene Familie? Die Zeitzeugen, die zu Wort kommen, verursachen bei mir eine Gänsehaut! Ein Buch zum Angucken und Lesen, zum Nachdenken und Nachmachen! Wer bin ich, und wie haben meine Vorfahren gelebt, was haben sie in der NS-Zeit gemacht? Vergebung, niemals vergessen, wir leben jetzt und können alles tun, um diese Zeit nicht wiederkehren zu lassen!

Noah Tammen (15) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Beitragscollage erstellt aus dem Plakat von Øyvind Torseter
Online-Bestellmöglichkeit bei der Buchhandlung meines Vertrauens mit Klick auf den Titel des Buches

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