Matteo, Noah, 4 Bücher und 20 Sterne

Die zwei 14-jährigen Testleser Matteo und Noah haben sich vier ganz unterschiedlichen Büchern gewidmet, die zumindest eine Gemeinsamkeit haben: jedes von ihnen erhielt die volle Sternezahl.

Thalamus

Jugendbuch ab 14
von Ursula Poznanski
Loewe Verlag 2018

Timo wollte eigentlich nur seine Freundin ein Geschenk bringen. Dass er dabei einen Unfall bauen würde, konnte niemand ahnen. Auch nicht, dass er danach in eine Rehaklinik gehen müsse. Er kann nicht mehr sprechen und auch das Laufen hat er völlig verlernt. Nachts dagegen geht es ihm viel besser als am Tag: Er kann laufen, schleichen und sogar rennen. Doch nicht nur ihm geht es so. Sein Zimmernachbar, der angeblich im Koma liegt, steht in der Nacht auf, geht aus dem Zimmer und kann sogar sprechen. Wie kann das sein und warum kann Timo plötzlich Sachen, die für einen Menschen nicht normal sind? Und was geht in der Klinik wirklich vor?

Das Buch hat mich vollkommen gefesselt, sodass ich es schon nach einem Tag fertiggelesen hatte. Die Grundidee hat mir sehr gefallen, denn ich habe noch nie etwas gelesen, was diesem Roman auch nur annähernd ähnelt. Die Autorin beschreibt das ganze Szenarium und die Personen in diesem so gut, dass ich mich toll in die Rehaklinik hineinversetzen konnte. Ich hatte sogar das Gefühl, mit Timo mitzufühlen und dass seine Freunde in gewisser Weise auch die meinen wären.

Die Geschichte an sich ist nicht realistisch, doch durch die vielen verschiedenen Erklärungen der erfundenen Technik und die sich wissenschaftlich anhörenden Begriffe glaubt man wirklich daran. Die Technologie, die in diesem Buch beschrieben wird, klingt zwar sehr praktisch, doch sie macht auch ein bisschen Angst. Dieses hier ist nur ein Roman, aber man fragt sich, bis wohin die Technik und die Forschung heutzutage gehen werden.

Dieses Buch hat ein sehr schönes Coverbild, das auch mit dem Inhalt zu tun hat. Das was auf den ersten Blick wie eine Qualle aussieht, entpuppt sich danach als Gehirn. Der Name klingt zuerst mysteriös und macht neugierig, doch wenn man sich erst mal informiert hat, passt es dann sehr gut zur Geschichte.

Ich empfehle dieses Buch zwar für Leser und Leserinnen ab 14 Jahren, doch ich bin der Meinung, dass es vielen Erwachsenen gefallen würde. Mich hat es begeistert, deshalb vergebe ich ihm 5  Sterne.

Matteo Schmidt (14) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Der nächstferne Ort

Jugendbuch ab 14
von Hayley Long
übersetzt von Josefine Haubold
Königskinder Verlag 2018

Dylan und Griff führen ein recht merkwürdiges Leben: Da ihre Eltern das Reisen lieben und nicht darauf verzichten wollen, ziehen sie circa jede drei Jahre in neue Länder um. Doch all das ändert sich schlagartig, als die Familie eines Tages, auf der Rückfahrt von den Sommerferien und an Griffs Geburtstag, einen Autounfall baut. Dabei sterben die Eltern der beiden Brüder und diese müssen also wohl oder übel versuchen, ein normales Leben weiterzuführen. Dabei lernen sie viele neue Leute kennen und finden langsam in ihr „gewohntes“ Leben zurück. Doch so wie früher wird es für die zwei nie wieder sein.

Dieser Roman hat mich sehr mitgenommen und die Geschichte fand ich toll. Deshalb bedauere ich, dass das Coverbild so aussieht. Es ist hellgrau- und beigefarben mit rosafarbenen Blüten. Welcher Junge würde so ein Buch denn freiwillig in die Hände nehmen? Das ist jedoch schade, denn ich bin mir sicher, dass der Inhalt vielen Jungs gefallen würde.

Die Geschichte ist sehr traurig, doch genau das macht sie besonders. Wenn man sich gerade an einer Person gewöhnt hat und denkt, dass jetzt alles gut wird, verschwindet diese wieder aus dem Leben der Brüder. Man muss auch mitansehen, wie die Jungen Dinge machen, die man als vollkommen falsch sieht, doch man kann als Leser leider nichts dagegen tun, und das steigert das Mitgefühl.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive des älteren Bruders Dylan geschrieben, weshalb man viele Informationen über ihn und seine Sichtweise der Geschehnisse bekommt. Eine weitere Besonderheit ist, dass es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit von Dylan gibt, in denen er mit seiner deutschen Freundin zusammen ist und Verschiedenes erlebt. Das Einzige, was ich an diesem Buch schade finde, geschieht erst ziemlich am Ende, doch in gewisser Weise ist dies genau der Grund, warum das Buch so besonders ist.

Ich empfehle diese schöne, aber tragische Geschichte, an Jungen und Mädchen ab 14 Jahren, und vergebe ihr 5 Sterne.

Matteo Schmidt (14) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Ivory & Bone

Jugendbuch ab 14
von Julie Eshbaugh
übersetzt von Rainer Schmidt
Fischer Sauerländer 2017

Kols Stamm hat kaum Mädchen. Eines Tages besucht Chev mit seinen Schwestern Seeri und Mya Koles Clan. Vor fünf Jahren waren sie mal ein Stamm, aber tragische Umstände haben sie gespalten. Während Kols Bruder Pek interesse an Seeri hat und umgekehrt, ist es mit Kol und Mya angespannter. Sie leben mit den Mammuts zusammen, gehen auf die Jagd und fast hätte Kol Mya mit dem Speer getroffen, die Vergangenheit hätte sich fast wiederholt. Eines Tages sieht Kols Bruder fremde Kanus: es gibt einen weiteren Stamm! Da treffen sie auf Lo, die im Streit mit Mya auseinander ging. Kol ist zwischen Mya und Lo hin und her gerissen, weil jede eine andere Version der Ereignisse von vor fünf Jahren zu erzählen hat. Wem wird er glauben?

Das Cover ist geheimnisvoll, auch der Klappentext beschreibt nicht wirklich, in welcher Zeit die Geschichte erzählt wird und gerade diese Zeit ist sooo toll gewählt!
Der Prolog erzählt das Ende, ohne wirklich etwas zu verraten. Die gesamte Geschichte wird aus Kols Sicht erzäht. Julie Eshbaugh hat mich von der ersten bis zur letzten Seite eintauchen lassen, in eine andere Zeit, in eine tolle Geschichte, ich habe unglaublich viele tolle Bilder in meinem Kopf.

Genauso stelle ich mir die Steinzeit vor. Hart, kämpferisch und immer auf der Suche nach Nahrung, den besten Plätzen zum Lagern und welche Männer/Frauen wen heiraten. Es gibt immer Älteste und die Heiler dürfen auch nicht fehlen.
Es geht blutig zu in dem Buch, die Clans nähern sich an, aber jemand spielt ein falschen Spiel und am Ende gibt es sogar Tote.
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe es fast in einem durchgelesen, alles hat perfekt zusammen gepasst. Ich gebe dem Buch daher 5 von 5 Sternen.

Noah Tammen (14) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Meine Kuh will auch Spaß haben

Jugendbuch ab 12
von Astrid Lindgren und Kristina Forslund
übersetzt von Anna-Liese Kornitzky
Oetinger Verlag 2018

Wenn ich nicht schon seit Jahren Vegetarier wäre, würde ich es jetzt werden! Wie grausam wir mit den uns anvertrauten Tieren umgehen, ist einfach grauenhaft!

Das Buch erzählt, wie Astrid Lindgren und die Tierärztin Dr. vet. Kristina Forslund gegen Windmühlen schreiben, Astrid Lindgren schreibt in Briefen an hohe Regierungsbeamte über die Zeitung Expressen und diese antworten ihr auch ganz groß, weitschweifig – nur ohne wirklich was zu bewegen.
Ein Huhn musste sich 1985 mit 4 weiteren Hühnern einen Käfig teilen, hat nie Tageslicht gesehen. Ein Schwein hatte eine Box für alles, im Dunkeln mit 50 cm Breite – oder Kühe, die nie Tageslicht oder eine Weide sehen, die einmal im Jahr besamt werden, um Kälber zu bekommen, die ohne die wichtige Biestmilch, die sie vor Krankheiten schützen soll, einfach vom Muttertier getrennt werden und ihr kurzes Leben nur leiden! Auf den Menschen projiziert, wirken Beispiele aus der Tierhaltung besonders absurd: Jemand in meiner Klasse ist krank und alle bekommen Antibiotika?! Ich wohne im schönen Hannover, da fällt mir das VW-Werk ein. Stellt euch vor, ein Mitarbeiter bekommt eine Lungenentzündung und alle anderen, gesunden Mitarbeiter kommen auch in den „Genuss“ von Antibiotika!

Die Briefe haben in Schweden eine Debatte ausgelöst und einige Änderungen gebracht, aber es ist auch jetzt, 33 Jahre später, noch viel zu tun.

Auf dem Cover des Buches ist eine Kuh mit geschlossenen Augen zu sehen, einfach irgendwie traurig. Das Buch enthält Astrid Lindgrens Artikel, die 1985 bis 1989 im „Expressen“ erschienen. Es sind Briefe, aber die berühren!

Ich bin wütend! Zahlen von 2016 für Deutschland: In der Kurzmast müssen sich, bei höchster (erlaubter) Besatzdichte etwa 26 Hühner einen Quadratmeter Platz teilen – das entspricht pro Huhn etwas weniger als einem DIN-A5-Blatt plus einem Bierdeckel. Für Mastschweine mit einem Körpergewicht von über 50 bis 110 kg ist eine Mindestbodenfläche von lediglich 0,75 m² pro Schwein vorgesehen, für Schweine mit einem Gewicht von über 110 kg gerade einmal eine Fläche von 1 m². Nur 42% der Kühe sehen Weiden, der Rest lebt in Ställen mit offenen Böden, teilweise angekettet.
(Quelle: Albert-Schweitzer-Stiftung)

Was soll aus der Welt werden? Warum können wir den Fleischkonsum nicht einschränken? Ich will niemanden bekehren oder einschränken; mir würden gesunde, glückliche Tiere und kurze Wege zum Schlachter, der „vernünftig“ tötet, schon genügen. Wenn jeder Mensch nur noch einmal die Woche Fleisch aus tierfreundlicher Aufzucht, Haltung, Tötung kaufen würde, wieviel mehr hätte die gesamte Welt davon? Getreide könnte wieder vermehrt für die Menschen statt als Futtermittel verwendet werden, kein Tier sollte leiden. Ich hoffe, dass meine, dass unsere Generation endlich aufwacht und wirklich etwas unternimmt, und nicht die Fehler unserer Eltern weiter begeht! Ich könnte noch ewig weiter schreiben, aber ich danke Astrid Lindgren und Dr. vet. Kristina Forslund für den Anstoß und hoffe, dass sich weiterhin Menschen für Tiere einsetzten, auf dass wir nur noch glückliche und gesunde Tiere sehen werden! Defintiv 5 von 5 Sternen.

Noah Tammen (14) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Foto: Pixabay

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