Jugendbuchkritik im BÜCHERmagazin

Bus 57

Jugendbuch ab 14
von Dashka Slater
übersetzt von Ann Lecker
Loewe 2019

Der Bus der Linie 57 ist das einzige, was Sasha und Richard miteinander verbindet. Richard ist Afroamerikaner, geht auf eine öffentliche Schule und hat gerade einen längeren Aufenthalt in einer betreuten Wohngruppe für jugendliche Straftäter hinter sich. Sasha ist weiß, besucht eine Privatschule und identifiziert sich selbst als agender. Nur acht Minuten täglich verbringen Sasha und Richard gemeinsam im Bus 57. Bis zu dem Tag als Sasha den langen weißen Rock trägt und Richard ihn anzündet.

Das meint Noah

Ausschnitt aus dem Büchermagazin

Sieh Dich morgens in Deiner Bahn, in Deinem Bus um: Stell Dir vor, dass eines Tages ein Mensch einem anderen – im Bus, vor Deinen Augen – den Rock anzündet! Genau das ist im Bus 57 passiert. Sasha, ein Transqueer, wird von Richard, einem Afroamerikaner, im Bus angezündet und schwer
verbrannt. Diese Geschichte ist nicht ausgedacht, sie hat genauso stattgefunden.

Es werden später Worte fallen wie „nur herumgealbert“, „was soll schon passieren“, „hätte nicht gedacht, dass der Rock Feuer fängt“ aber auch das Attribut „homophob“. Wie sollte der Täter bestraft werden? Als
Jugendlicher oder Erwachsener? Konnte er die Konsequenzen erkennen? Wie kam es dazu, was fühlt und denkt die Umgebung beider Jugendlicher? Darüber schreibt Dashka Slater.

Englisch ist in der Schule mein Leistungsfach – daher weiß ich, dass die Übertragung ins Deutsche eine große Herausforderung war und Ann Lecker sicher ihr Bestes gegeben hat. Aber „sier“, „sierem“ und „sieren“? Diese ständigen Gender-* haben mich sehr abgelenkt. Ja, wir Deutschen haben kein schönes „they/them“, kommen mit der Diskussion um ein „3. Geschlecht“ auch nicht wirklich weiter, und das hat die Übersetzung dann auch leider gezeigt: wie soll „man“ übersetzen, um bloß keinen Menschen zu verletzen oder eine Gruppe gegen sich aufzubringen?

„Sprache beeinflusst das Denken“ wird oft als Begründung für gendergerechte Sprache angeführt – das sehe ich gar nicht! Ich beeinflusse vielmehr durch mein Verhalten Menschen, die die mich sehen und denen ich gegenüber stehe.

Wie würdest Du entscheiden? Soll Richard als Erwachsener verurteilt werden oder als Jugendlicher? Was ist gerecht? Das Buch spielt mit des Lesers Vorurteilen. Abwechselnd habe ich Mitleid mit Sasha, dann wieder mit Richard. Schön zu sehen ist, wie beide zu den Personen werden, die schließlich am Tattag aufeinander treffen und wie sie das Geschehene verarbeiten.

Etwas trocken empfand ich die ganzen Statistiken zur Kriminalität, anstrengend auch die Textnachrichten von Freunden. Die Kapitel waren mir viel zu kurz und durcheinandergewürfelt. Das Buch hätte gut um 100-150 Seiten gekürzt werden können.

Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sternen.

Noah Tammen (15) aus der Kinder- und Jugendredaktion

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