Jugendbuchtipp im BÜCHERmagazin

Regelmäßig erscheinen Buchtipps der Kinder- und Jugendredaktion im BÜCHERmagazin.

Revolution ist keine Dinnerparty

Revolution ist keine DinnerpartyJugendbuch ab 14
von Ying Chang Compestine
übersetzt von Nicola Stuart
Jacoby & Stuart 2018

1972, kurz vor Lings neuntem Geburtstag, ändert sich für Ling ihr China. Chinas „Führer“, der Vorsitzende Mao Zedong, und seine Anhänger treiben in diesem Sommer die Kulturrevolution an. Das erste Anzeichen bei Familie Chang ist, dass Genosse Li, der Politikbeauftragte des Krankenhauses Nr. 4, wo Lings Eltern als Chirurg und Ärztin für traditionell chinesische Medizin arbeiten, das Arbeitszimmer der Familie zu seinem neuem Heim erklärt.

Die Rotgardisten entstehen und ab nun beginnt eine schreckliche Zeit. Niemand darf mehr seine Meinung sagen, alle müssen Mao und vor allem seinen Anhängern gehorchen, jeder bespitzelt jeden, niemand vertraut mehr jemandem, keiner sagt seine Meinung. Als Familie Wong, Nachbarn und Freunde der Chang, auseinander gerissen werden, der Vater abgeholt, die Mutter gedemütigt, Niu dank Gehirnwäsche jetzt ein Kämpfer, ein Verräter für die Rotgardisten wird, wird es immer schwieriger, zu überleben.

Der Schreibstil des Buches ist großartig. Vom ersten bis zum letzten Wort gehe ich Lings Weg mit! Sie schreibt und beschreibt so genial, dass ich mitten drin bin.

Lings Stärke ist beeindruckend, beispielsweise als ihr Vater abgeholt wurde oder als sie das erste Mal einkaufen war. Der Mut, die Kraft, das durchzustehen, hat mir eine Gänsehaut bereitet. Ich habe einen hohen Gerechtigkeitssinn und war beim Lesen sehr angespannt aufgrund der abgrundtiefen Ungerechtigkeiten, die den Menschen wiederfahren. Auch wenn das Buch nicht ganz autobiographisch ist, sind einige Sachen tatsächlich passiert und das glaube ich sofort; das bereitet mir Sorge, gerade auch, wenn ich mich jetzt in Deutschland umsehe.

Das Buch hat mich oft dazu verleitet, im Internet noch genauer nachzulesen, was es mit der Kulturrevolution auf sich hatte. Ich finde es erschreckend, was aus Menschen werden kann, wie sie sich verändern und einfach mitschwimmen, statt die Ungerechtigkeiten aufzudecken, anzuprangern. Klar ist es für mich einfach, so zu schreiben, in meinem sicheren Zimmer; um mich herum viele Dinge, die man nicht braucht, mir aber mein Leben verschönern. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, wie ich an Essen komme, ich kann ohne Angst in die Schule gehen, Strom und Wasser sind immer da und ich kann lesen, was ich will. Selbst meine Meinung kann ich sagen, ohne dafür misshandelt, verschleppt oder getötet zu werden. Ich fand Familie Chang stark, sie haben geholfen, durchgehalten und an ihren Träumen festgehalten.

Ich gebe dem Buch 5 von 5 Sternen und wünsche mir, dass es immer mehr Menschen wie Ling/Ying geben wird, auf dass irgendwann die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt ausgerottet werden! Wir leben nur einmal und jeder sollte das Recht haben, frei zu leben; egal, in welchem Land, mit welcher Religion und Einstellung, jeder kann zu jeder Zeit anfangen, alles besser zu machen. Wenn es unsere Großeltern und Eltern schon nicht geschafft haben, dann sollten wir es anpacken; lasst uns die Welt besser machen!

Noah Tammen (15) aus der Kinder- und Jugendredaktion

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