Interview mit Karen McManus

Matteo (15): Unter den Büchern, die dieses Jahr für den Jugendliteraturpreis nominiert waren, ist auch eines meiner Lieblingsbücher zu finden: „One of us is lying“. Ich habe es geschafft, am 18.10. ein Interview (auf Englisch) mit der Autorin Karen McManus zu organisieren und ihr mehrere Fragen bezüglich ihrer Romane zu stellen.

Wann und warum haben Sie beschlossen, Autor zu werden? Haben Sie einen anderen Beruf?

Bis 2014 war ich in der Marketingbranche tätig. Dann habe ich einmal, als ich auf einer Berufsreise nach Oregon unterwegs war, nichts zu lesen dabei gehabt und mir an der Flughafenbuchhandlung „The Hunger Games“ gekauft, weil es mir interessant vorkam. Die Lektüre war so spannend und inspirierend, dass ich selbst beschlossen habe, etwas Ähnliches zu schreiben und es hat so viel Spaß gemacht. Ich habe nämlich bereits als Teenager ein paar Kurzgeschichten geschrieben, aber ich dachte, dies sei kein richtiger Job, man könne davon nicht leben. Dann kam mir die Idee von „One of us is lying“ und es hat sich so gut verkauft, dass ich sogar davon leben kann, weshalb ich dann mit meinem anderen Beruf aufgehört habe und jetzt schreibe ich nur.

Warum haben Sie sich entschieden, Krimis zu schreiben? Mögen Sie es auch, Krimis zu lesen?

Es war nicht meine erste Wahl, denn meine ersten Bücher waren ganz anders. Zu Beginn wollte ich eine Dystopie wie die Hunger Games schreiben. Dann habe ich einen Science-Fiction-Roman geschrieben, der jedoch auch nicht so gelungen war. Deshalb war es erst meine dritte Wahl, einen Krimi zu schreiben. Allerdings ist dieser beim Publikum sehr gut angekommen, wodurch ich auch viele Ideen für ein zweites Mistery-Buch bekommen habe. Auch dieses hatte Erfolg, was womöglich auch daran liegt, dass ich, seit ich eine Teenagerin war, gerne Krimis lese. Deshalb bin ich plötzlich eine Krimiautorin, obwohl ich das ursprünglich nie vorhatte.

Welche sind Ihre Lieblingsautoren und -bücher?

Mein Lieblingsbuch ist definitiv “The Hunger Games”, da es auch mein Leben verändert hat. Als ich beschlossen habe, Bücher zu schreiben, habe ich sehr viele zeitgenössische Autoren gelesen. Inspiriert haben mich insbesondere Courtney Summers, die auch „Sadie“ geschrieben hat und eine Vorliebe für dunkle Geschichten hat, und Becky Albertalli, die eher fröhliche helle Bücher schreibt. Meine Bücher sind vielleicht eine Mischung aus diesen zwei Stilen.

Alle Ihre Bücher finden in Highschools statt. Haben Sie selbst schlechte Erfahrungen in Ihrer Highschoolzeit gemacht oder warum sind die Schulen in Ihren Romanen so unangenehm? Gibt es einen authobiographischen Hintergrund in Ihren Büchern?

Ich habe meine Highschoolzeit sehr genossen bis auf die Tatsache, dass ich immer das Gefühl hatte, nicht all das machen zu dürfen, was mir gefiel. So ist Cooper in meinem Buch einer, der nicht immer das macht, was von ihm erwartet wird. Und ich denke, ich war damals auch zumindest teilweise so. Nichts von dem, was in meinen Büchern geschehen ist, ist auch mir passiert, jedoch kann man bei fast allen Figuren sehen, dass sie nicht offen über alles sprechen können.

Ihre Bücher charakterisieren junge Leute auf eine sehr realistische Weise. Haben Sie Kinder oder Erstleser in diesem Alter, um diese über ihre Meinung zu fragen, oder wie machen Sie das?

Als ich mein erstes Buch geschrieben habe, war mein Sohn erst 8 Jahre alt, weshalb ich ihm noch keine Fragen über Jugendliche stellen konnte. Aber ich habe eine sehr hilfreiche Nachbarsgemeinschaft, die mir in vielerlei Hinsicht geholfen hat. Sie haben viel auf meinen Sohn aufgepasst, und sie haben vor allem in den ersten Seiten mehrere wichtige Informationen beigetragen, beispielsweise dass niemand heutzutage mehr eine Webseite benutzen würde und eine App passender wäre. Heute ist mein Sohn 13, wodurch ich die Teenagerzeit mit ihm und seinen Freunden erlebe und vieles direkt mitbekomme.

Haben Sie Geschwister? Oder warum ist diese Beziehung so wichtig in Ihren Büchern?

Ich habe selbst zwei Schwester und einen Bruder, und die Beziehung mit ihnen ist eine der wichtigsten Sachen in meinem Leben. Besonders Zwillinge faszinieren mich, z. B. wie sie miteinander sprechen, wie sie sich zusammen verhalten und wie sie zueinander stehen. Deshalb habe ich auch in meinem zweiten Roman „Two can keep a secret“ zwei Zwillingspaare eingebaut.

Ich habe beide Ihrer Bücher gelesen und finde sie sehr gut. Deshalb möchte ich Sie fragen, ob Sie vielleicht eines dem anderen vorziehen.

Das ist schwer zu sagen, es fühlt sich an, als würde ich mein Lieblingskind aussuchen müssen. Ich mag sie beide, aber jedes auf seine Weise. In „One of us is lying“ gibt es großartige Figuren, die jede ihren besonderen Charakter hat, aber ich denke, das Rätsel ist ziemlich geradeaus, weshalb es jeder, der etwas aufmerksamer ist, lösen können sollte. Im zweiten Buch („Two can keep a secret“) habe ich ein sehr verzwicktes Mysterium geschaffen, worauf ich auch sehr stolz bin und viel Zeit investiert habe. Allerdings sind die Figuren dort etwas weniger ausgearbeitet.

Welche der Figuren aus Ihren Romanen mögen Sie am meisten?

Das ist genauso schwer zu sagen. Vielleicht Addy: Ich habe auch viele Rückmeldungen von jugendlichen Lesern und Leserinnen bekommen, die sie wegen ihrer romantischen Geschichte sehr mochten oder etwas Ähnliches erlebt hatten. Und auch Nate, weil dieser so leicht zu schreiben war und in sehr vielen Szenen gut gepasst hat. Im anderen Roman kann ich mich nicht entscheiden zwischen Malcom und Ellery. In diesem Buch gibt es nämlich Geheimnisse, über die man nicht sprechen soll, und Malcom und Ellery haben beide sehr verschiedene Arten, damit umzugehen: Ellery will alle Geheimnisse aufdecken und Malcom hat Angst davor, etwas Schlechtes zu erfahren.

Wenn Sie Ihre beiden Bücher überdenken, würden Sie etwas daran verändern?

Nein, würde ich nicht. Wenn ein Buch bereits veröffentlicht ist, ist es für mich abgeschlossen und die Leser sollen sich selbst verschiedene Enden vorstellen.

Ich habe gehört, dass es einen Film aus “One of us is lying” geben wird. Ist das wahr und wenn ja, sind Sie in die Realisierung involviert?

Es wird kein Film sein, sondern eine TV-Serie, die man auf dem nächstes Jahr startenden Streaming-Dienst NBC-Universal (ähnlich wie Netflix) sehen wird. Ich habe das Drehbuch mehrmals durchgelesen aber nicht selbst geschrieben. Die Castings haben bereits begonnen und nächsten Monat wird der erste Dreh stattfinden. Ich durfte auch Notizen abgeben, allerdings hat ein Autor, wenn er sein Buch zum Film freigibt, nicht mehr viel zu sagen. Es ist nicht mehr mein Baby: Es ist ein großartiges Gefühl, aber auch ein bisschen furchtbar.

Woran arbeiten Sie gerade?

Nächstes Jahr im Mai wird ein Sequel von „One of us is lying“ herauskommen, das „One of us is next“ heißen wird. Die vier ehemaligen Hauptfiguren sind zwar noch da, damit die Leser sehen, wie es ihnen im Leben momentan ergeht, jedoch sind wir nicht mehr in ihren Köpfen, weil sie nicht mehr die Hauptfiguren sind. Bronwyns Schwester wird eine der Hauptcharaktere sein. Außerdem schreibe ich noch an „Yesterday“, das 2020 in den USA erscheinen wird. Es geht um drei Cousins, die sich noch nie getroffen haben, da ihre Familie sehr zerstritten ist. Ihre Großmutter lädt sie dazu ein, die Sommerferien bei ihr zu verbringen, und die Familien denken, es ist eine gute Gelegenheit, sich wieder zu versöhnen. Aber die Großmutter hat andere Pläne und erzählt ihnen verschiedene dunkle Geheimnisse.

Dann bin ich sehr gespannt und freue mich schon auf die Neuerscheinungen! Vielen Dank für das Interview und viel Glück bei der Preisverleihung heute Abend!
[Anm. d. Red.: Leider konnte Karen McManus den Preis am Messe-Freitag nicht mit nach Hause nehmen.]

Matteo ist 15 Jahre alt und seit fünf Jahren Redakteur bei buecherkinder.de. Am liebsten liest er Abenteuerbücher, doch er mag auch andere Genres, nur Sachbücher liest er ungern. Er lässt sich auch nicht von sehr dicken Büchern erschrecken! Wenn er nicht liest, geht er meistens zum Leichtathletiktraining, und dies fünf Mal die Woche.
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