10 Fragen an Juma Kliebenstein

Uns alle verbinden gute Geschichten und die Leidenschaft, Kinder und Jugendliche für diese zu begeistern. Im Rahmen der Bücherkinder-Interview-Reihe möchte ich diese Menschen vorstellen.

© Jörg Schwalfenberg

Wer sind Sie und wie sieht Ihre Arbeit mit Kinderbüchern aus?
Mein Name ist Juma Kliebenstein, ich schreibe seit zehn Jahren Bücher für Kinder und lebe und arbeite im Saarland. Bevor ich Autorin wurde, war ich Lehrerin, habe in einer Flugzeugfirma in Kanada gearbeitet und im Kundenservice einer Tageszeitung. Jetzt habe ich meinen Traumberuf, weil mir das Schreiben nie langweilig wird. Ich arbeite wo ich will und liebe es, auf Lesereisen unterwegs zu sein und die Kinder in meine Bücherwelt einzuladen.

Wie würden Sie sich aktuell in drei Hashtags (#) beschreiben?
#mittenimleben #angekommen #neugierig

Welches Buch liegt derzeit ganz oben auf Ihrem Nachttisch und warum?
Da liegen drei verschiedene Stapel: Einer mit Kinderbüchern, obenauf „Chlodwig“ von Will Gmehling. Einer mit Romanen, obenauf „Der Freund“ von Sigrid Nunez. Einer mit Spannungsunterhaltung, obenauf „Offline“ von Arno Strobel. 
Ich lese alle drei parallel. Und dann liegt da einzeln der „Fragebogen“ von Max Frisch. Jeden Tag nehme ich mir eine der Fragen vor und beantworte sie für mich.

Wie beeinflusst Ihre Arbeit mit bzw. für Kinder und Jugendliche Ihre Sicht auf die heutige Gesellschaft und unsere Welt?
Dazu fällt mir ein Zitat von Astrid Lindgren ein: „Wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt in großem Maße von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen.“ Geschichten sind wichtig, weil sie von den Lesenden einen Perspektivwechsel einfordern. Oder, wie Borges es sagt: „Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn“. Ich möchte Kinder dazu anregen, ihres zu benutzen und wünsche mir, als Kinderbuchautorin mit meinen Büchern einen Beitrag dazu zu leisten.

Was ist die treibende Kraft, auch weiterhin was mit Kinderbüchern zu machen?
Das ist ganz einfach: Die Freude, die ich beim Schreiben von Kinderbüchern empfinde. Es ist das, was ich kann und liebe. Wenn ich dann noch Post von Kindern bekomme, die mir schreiben, dass sie meine Bücher gern lesen und sie ihnen sogar dabei helfen, sich selbst lieber zu mögen, dann bin ich rundum zufrieden.

Wie begeistern Sie potenzielle Nichtleser für das Buch?
Ich liebe Geschichten, deshalb schreibe ich Bücher für alle, die ebenfalls Geschichten lieben. Und ich glaube, jeder Mensch tut das. Auch Kinder, die nicht gern lesen. Denen empfehle ich Hörbücher. Wichtig sind Geschichten, weil sie uns die Welt aus der Sicht anderer Menschen zeigen. Sich darauf einzulassen, fördert Verständnis, Einfühlungsvermögen und Empathie. Ob das durch Bücher, Hörbücher oder Erzählungen geschieht, finde ich letztlich gar nicht so entscheidend.

Was macht für Sie ein gutes Kinderbuch aus?
Ein gutes Kinderbuch ist eines, das ein Kind da abholt, wo es gerade steht. Das dem Kind eine Perspektive gibt, es fesselt, es neugierig macht, tröstet, freut, unterhält. Und im Idealfall ein langes Stück seines Wegs begleitet. Ich glaube nicht, dass es „das“ gute Kinderbuch gibt, sondern das passende Buch zur richtigen Zeit für das jeweilige Kind. Und das sollte es sich unbedingt selbst aussuchen können. Nichts ist für die Freude am Lesen schlimmer, als einem Kind ein bestimmtes Buch aufzunötigen.

Wie hat sich Ihre Arbeit mit fortschreitender Digitalisierung verändert?
Ich bin zum Glück von Anfang meiner beruflichen Laufbahn an gewohnt, mit Tastatur am Laptop zu schreiben, die Schreibmaschinenzeit kenne ich nur aus Kindertagen. Die Recherche ist einfacher, und vor allem der Austausch mit Verlagen und Kollegen, das Versenden von Manuskripten und der Kontakt mit Fans ist unkompliziert und spontan möglich. Vor allem die verschiedenen Netzwerk-Gruppen mit KollegInnen sind für mich sehr bereichernd, weil Schreiben ein einsamer Job ist und man sich durch die Digitalisierung sehr gut vernetzen und in Kontakt bleiben kann.

Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie und warum?
Ich habe eine Homepage, einen facebook-Account und bin bei Instagram zu finden. Die Homepage ist eine eher statische Informationsbasis für alle, die sich auf den ersten Blick über meine Bücher und mich informieren wollen. Bei facebook bin ich hauptsächlich, weil sich dort viele KollegInnen tummeln und wir uns dort häufig austauschen. Bei Instagram bin ich am aktivsten, poste meist täglich, es ist also eine Art öffentliches Tagebuch meines Autorinnendaseins und macht mir eine Menge Spaß.

Mit welchem Kinderbuchmenschen sollten wir dieses Interview unbedingt mal führen?
Da ist einmal meine liebe Kollegin Nikola Huppertz, die ich mag und schätze, und zum anderen meine Lektorin und liebe Freundin Sophie Härtling, die vom ersten Buch an meine Texte mit Feuer und Feinfühligkeit auseinandernimmt. Ihre Unverblümtheit und die Fähigkeit, mit mir umzugehen, sind für mich unbezahlbar.


Webseite von Juma Kliebenstein
Porträt: © Jörg Schwalfenberg, Beitragsbild: © Juma Kliebenstein

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