10 Fragen an Raimund Frey

Uns alle verbinden gute Geschichten und die Leidenschaft, Kinder und Jugendliche für diese zu begeistern. Im Rahmen der Bücherkinder-Interview-Reihe möchte ich diese Menschen vorstellen.

Wer sind Sie und wie sieht Ihre Arbeit mit Kinderbüchern aus?


Mein Name ist Raimund Frey und ich bin Illustrator und Kommunikationsdesigner. Aktuell zeichne ich die Kinderbuchreihen Luzifer Junior und Kid Normal. Außerdem illustriere ich verschiedene andere Kinderbuchtitel sowie Dinosaurier-thematisierte Sach-, Mal- und Geschenkbücher für die „T-Rex World“ von Coppenrath sowie Musikbücher für Kinder für den Helbling-Verlag.

Wie würden Sie sich aktuell in drei Hashtags (#) beschreiben?
#Glücklich #Ilovemyjob #Roar

Welches Buch liegt derzeit ganz oben auf Ihrem Nachttisch und warum?


Nachttisch habe ich keinen, aber vor meinem Bett liegt immer ein ziemlich hoher Stapel mit Comics, Graphic Novels, Horror-, Sci-Fi- und Fantasybüchern. Ganz oben liegen momentan „Im Zwergenblut“ von Lucian Caligo, für den ich das Cover gemacht habe, ein „Vampirella“ Sammelband (sexistisch, aber super gezeichnet und abgefahren!) und ein ausgedruckter Ratgeber für mehr Selbstbewusstsein von Chris Flanagan.

Wie beeinflusst Ihre Arbeit mit bzw. für Kinder und Jugendliche Ihre Sicht auf die heutige Gesellschaft und unsere Welt?


Oha. Öhm. Schwierige Frage. 
Der Kinderbuchmarkt ist ja schon ein großer Beeinflussungsfaktor für Kinder. Der ist ja hauptsächlich geprägt von der Haltung, dass sie Produkte herstellen wollen, die Eltern FÜR Kinder kaufen, nicht Kinder selbst. Und diese Sicht auf Eltern, die Produkte kaufen, das sagt schon einiges über die Gesellschaft aus. Mein Gefühl ist, dass es einerseits viele schräge Faktoren wie eine starke Gender-Trennung gibt (Rosa-Plüsch-Welten vs. Baustellenfahrzeuge sind nur für Jungs) (Dinosaurier und Mädchen, das geht nicht zusammen), eine geringe Frustrations/Misserfolgstoleranz (ich hab mal ein Tessloff Was ist Was Junior Mitmachheft gemacht, das so dermaßen leicht zu lösende Aufgaben hatte, dass es für Kleinkinder schon fast eine Intelligenzbeleidigung war) und bis vor ein paar Jahren war ja alles was irgendwie schräg, monströs, comicartig war, verpönt bei den Verlagen. 
Das hat sich jetzt geändert und ich merke, dass (v. A. junge) Eltern und Kinder durchaus Lust auf abgefahrenen Kram haben. Eltern, die als Kinder mit schräger Popkultur in Berührung kamen, sind ganz anders drauf als die Nachkriegsgeneration (pauschal gesagt). Die heutige Gesellschaft ist teilweise progressiv, aufgeweckt und offen für Neues und teilweise noch stark konservativ und gestrig. Das spiegelt sich am sich (langsam) verändernden Buchmarkt. Merkt man auch aktuell an der Klimadebatte und einer Greta Thunberg und ihren streikenden Mitschülern und Wutbürgern, die nichts besseres zu tun haben, als verbal auf sie einzubashen.

Was ist die treibende Kraft, auch weiterhin was mit Kinderbüchern zu machen?


Gute Frage, da die finanziell lukrativeren Projekte nämlich in der Regel NICHT im Bereich Kinderbuch zu finden sind. 
Aber die Arbeit AN Kinderbüchern ist sehr erfüllend, weil man lustige und spannende Sachen zeichnen kann, auf die man selbst auch Lust hat. In meinen Fall z. B. Amok laufende Dinosaurier, an Lavafeldern arbeitende Wolle-Dämonen, tauchende Autos mit Raketenantrieb usw. 
Und dann eben, dass die Arbeit FÜR Kinder ist, die die Sachen genauso toll finden wie man selbst und Spaß dabei haben. Gibt nichts besseres, als ein „woah, cool“, wenn ein Kind ein Buch aufschlägt, das man illustriert hat. Das gleiche gilt im Prinzip für Erwachsene.

Wie begeistern Sie potenzielle Nichtleser für das Buch?


Ich habe jetzt nicht primär den Anspruch, Nichtleser zu begeistern. Aber am ehesten bekommt man die (denke ich), wenn Cover und Illustrationen halt so cool sind, dass sie neugierig auf den Inhalt machen.

Was macht für Sie ein gutes Kinderbuch aus?


Aus Illustratorensicht natürlich erstmal: Ein gutes Cover, das heraussticht aus der Masse und Lust auf den Inhalt weckt. 
Und wenn man dem Buch anmerkt, dass es nicht aus einer erhöhten Erwachsenenperspektive wohlmeinend für Kinder geschrieben ist, sondern von einer Person, die selbst Spaß an ihrer eigenen Story hat. Keine überdeutliche Moral und erhobener Zeigefinger rein um des Prinzips willen.
Und wenn man merkt, dass es kein künstliches, am Reißbrett entworfenes Auftrags-Buch ist à la „Grade ist dies und das bei den Kids in, schreiben Sie doch mal was darüber“.

Wie hat sich Ihre Arbeit mit fortschreitender Digitalisierung verändert?


Sie hat sich extrem vereinfacht. Mein Workflow ist super schnell. Mein Prof auf der FH hat uns damals geraten, eine umfangreiche Sammlung an Referenzmaterial zuzulegen. Quasi ein Aktenschrank voller Bilder und Fotos. Brauchte ich gottseidank nicht, weil man inzwischen mit einem Klick ins Internet Referenzmaterial zu allem möglichen Kram findet, was extrem praktisch ist. Auch sind neue Infos sehr schnell verfügbar. Z. B. habe ich neulich einen Dino gezeichnet und parallel erfahren, dass Wissenschaftler grade seine Färbung genau bestimmen konnten. Also habe ich ihn direkt nochmal umgefärbt. 
Überhaupt arbeite ich (außer beim Livezeichnen und Graphic Recording) komplett digital. Ich zeichne in Photoshop, layoute in Indesign und kann ohne Umwege Dateien per Mail an die Auftraggeber schicken, kriege schnell Rückmeldung, lade fertige Projekte auf Server… da hat sich in den letzten 15 Jahren sehr viel getan. Dadurch kann ich sehr schnell und effektiv arbeiten. Muss ich auch, weil als Selbsständiger halt Zeit Geld ist. Abgedroschener Spruch, aber so ist es halt. Allerdings habe ich extrem viel Screentime dadurch. 
Aber grade die Möglichkeit, mit dem Grafiktablett extrem schnell arbeiten zu können, finde ich super. Ich bin sehr ungeduldig, wenn ich ein bestimmtes Bild im Kopf habe. Und am Rechner kann ich super schnell Ideen ausarbeiten und auch vage Gedankengänge abbilden; das wäre nur mit Stift und Papier so gar nicht möglich. Was das angeht, bin ich sehr happy mit den digitalen Möglichkeiten. 

Außerdem kommt man manchmal nicht drumrum, sich mehr Arbeit aufzuladen, als man Kapazitäten frei hat. Teilweise, weil man manche Projekte nicht absagen will und teilweise, weil man sonst plötzlich Leerlauf hätte (da sich ja auch gerne von Auftraggeberseite Deadlines und Angaben ändern). Dementsprechend muss man Projekte, für man im Idealfall mehrere Wochen Zeit hätte, in wenigen Tagen schaffen. Das wäre ohne digitales Arbeiten gar nicht möglich.

Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie und warum?

Facebook und Instagram. Ersteres, um mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die ich sonst aus den Augen verlieren würde. Und für Lesungsankündigungen usw. 
Letzteres habe ich angefangen, um Kram zu posten, den ich nicht auf meine Website stelle, wie Zeichnungen, die ich abends auf der Couch mache oder meine Dinoskulpturen aus Beesputty (Modelliermasse).
 Beides nutze ich meistens in irgendeiner Form beruflich, weil wohl keiner Selfies oder Fotos von meinem Essen sehen will. Außerdem bin ich bei Xing, Behance und dem üblichen Kram, aber diese Seiten sind notorisch unterpflegt.

Mit welchem Kinderbuchmenschen sollten wir dieses Interview unbedingt mal führen?

Falls der noch nicht dran war, mit meinem Kumpel und Kollegen Falk „Zapf“ Holzapfel. Und mit meinem besten Freund und Kollegen Max Walther, der unter anderem fantastische Wimmelbücher macht.


Webseite von Raimund Frey
Fotos: © Privat

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