10 Fragen an Astrid Schulte

Uns alle verbinden gute Geschichten und die Leidenschaft, Kinder und Jugendliche für diese zu begeistern. Im Rahmen der Bücherkinder-Interview-Reihe möchte ich diese Menschen vorstellen.

© Privat

Wer sind Sie und wie sieht Ihre Arbeit mit Kinderbüchern aus?
Ich bin Astrid Schulte, Naturpädagogin und Schnitzbegeisterte. Ich bringe Kindern (und auch Erwachsenen) das Schnitzen mit Grünholz bei. Die Kurse mit dem Taschenmesser sind eine sinnvolle Verknüpfung zwischen Theorie= Buch und Praxis=haptisches Üben mit dem scharfen Messer.

Wie würden Sie sich aktuell in drei Hashtags (#) beschreiben?
#wald #schnitzen # schnitzeljagd

Welches Buch liegt derzeit ganz oben auf Ihrem Nachttisch und warum?
Neben meinem Bett liegen vier Bücherstapel. Ich lese parallel und stimmungsabhängig: „Sag den Wölfen, ich bin zuhause“ beeindruckt mich mit jeder Seite mehr. „Aus hartem Holz“ fasziniert mich wegen der Einblicke in die brutale Eroberung der nordamerikanischen Wälder sowie in verwobene Familiengeschichten. „Die drei Fragezeichen“ natürlich. Der erste Band in Originalfassung – ich bin totaler Fan. Und: „Eins und Alles“ – das Buch lese ich nur hin und wieder, weil es kaum auszuhalten ist, aber unglaublich gut.

Wie beeinflusst Ihre Arbeit mit bzw. für Kinder und Jugendliche Ihre Sicht auf die heutige Gesellschaft und unsere Welt?
Ich hoffe doch, dass ich ein klitzekleines Stück beeinflussen kann. „Meine Schnitzwerkstatt“ ist eine Anleitung zum Schnitzen, ein Heranführen an Taschenmesser und frisches Schnitzholz. In meinen Schnitzkursen versuche ich über meine eigene Begeisterung den Funken überspringen zu lassen. Meine Kurse dauern ja immer nur drei bis vier Stunden. Mein Wunsch ist, dass Kinder, weil sie das Schnitzen mit frischem Holz lernen, wieder raus in die Natur wollen und gehen. Der Spielradius der Kinder heute entspricht dem Orbit des Kinderzimmers. Das war vor 70 Jahren ganz anders. Selbst ich habe vor 40 Jahren in einem vier Kilometer entfernten Wald gespielt, Bäume erklommen und Hütten gebaut. Im Kinderzimmer kann kein Kind schnitzen, geschweige denn Grünholz finden. Der schönste Satz nach einem Kurs, den ein 8-Jähriger aus Esslingen seiner Mutter entgegenrief, war: „Mama, wir müssen in den Wald, ich brauche Stöcke!“ – das rührt mich. Da habe ich alles richtiggemacht.

Was ist die treibende Kraft, auch weiterhin was mit Kinderbüchern zu machen?
Die Begeisterung der Kinder, wenn ich sie dabei beobachte, mit Naturmaterial zu arbeiten. Ihre Kreativität zum Beispiel, wenn sie mit mir Alles aus dem Weihnachtsbaum schnitzen und die unglaublichsten Gegenstände und Fantasiefiguren in Tanne und Fichte entdecken. 
Und natürlich das Kind in mir: Solange ich auf Bäume klettere, draußen übernachte, Feuer mit Feuerstein mache, barfuß durch Bäche wate, den Vögeln im Frühling lausche, unter dem Sternendach liege und Schnuppen beobachte, ist etwas lebendig in mir, das weitergegeben werden will -praktisch in gemeinnützigen Kursen und als kreativitätsfördernde Buchanleitungen.

Wie begeistern Sie potenzielle Nichtleser für das Buch?
Kinder wollen begeistert werden. Wenn ich für eine Sache „brenne“ und hundertprozentig hinter ihr stehe, merken Kinder das sofort. Meine Kurse sind ein Weg, Kinder an das Schnitzen mit dem Taschenmesser heranzuführen. Sie erhalten Anregungen und Anleitung, lernen Regeln und Techniken. Alles andere – das Schnitzen – kommt von ganz allein. Und wenn Kinder sehen, was zu schnitzen möglich ist, legen sie sofort los. Durch das haptische Entstehen von Gegenständen wie Messer, Löffel, Gabel, Kinderspielzeug wachsen sie über sich hinaus. Das motiviert sie und entfacht in ihnen den Wunsch, mehr selbst zu machen. Sie wachsen mit den Anforderungen und benötigen neue Ideen, die ihnen Bücher liefern.

Was macht für Sie ein gutes Kinderbuch aus?
Ein gutes Kinderbuch muss ins Auge stechen – über Farben, Aufmachung, Haptik, Claims. Gute Fotos und animierende Illustrationen sind entscheidend, denn darüber kann der Wunsch, selbst Hand anzulegen, etwas zu entwickeln, etwas selbst zu machen gefördert werden.

Wie hat sich Ihre Arbeit mit fortschreitender Digitalisierung verändert?
Je mehr Kinder von der Natur entfremdet werden (und das ist leider heute so), teilweise auch durch digitale Medien, desto größer wird der Drang, Natur wieder zu erleben. Desto mehr besteht das Bedürfnis, alles rund um Natur wieder aktiver in das Leben einzubauen. So beobachte ich, dass, je digitaler unsere Welt wird, Eltern vermehrt darauf achten, ihren Kindern einen Gegenpol zu bieten. 
So schnitzen Kinder wieder oder haben ein eigenes Taschenmesser – was vor wenigen Jahren nicht üblich war. Kinder sind interessiert an Naturvorgängen und an Naturmaterial, man muss ihnen nur zeigen, wie es funktioniert. Ich denke, jegliche digitale Ablenkung heutzutage stärkt das innere Grundbedürfnis der Kinder (oder Menschen) nach Natur und Natürlichem. So ist es sinnvoll, dass es Bücher gibt, die Anleitungen für Kinder enthalten – ganz konkrete oder für ihre Fantasie.

Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie und warum?
Ich nutze Facebook, weil ich Kontakt zu Menschen habe und halte, die ich nicht sehr häufig sehen kann. Die Veranstaltungshinweise finde ich sehr gut, auch die Kommentare meiner Facebook-Freunde, übrigens Menschen, die ich kenne und schätze. 
Instagram wegen der phänomenalen Fotos und kreativen Anregungen. Ein unkompliziertes, visuelles Austauschen.

Mit welchem Kinderbuchmenschen sollten wir dieses Interview unbedingt mal führen?
Zum einen mit dem besten Freund der drei Fragezeichen Kids, Buchautor Ulf Blanck nahe Hamburg. Er schreibt wunderbare Geschichten für Kinder. Zum anderen mit Jutta Gottwald aus Ludwigsburg – sie ist engagierte Mitarbeiterin der Stadtbibliothek Ludwigsburg, die über Bücher, Aktionen, Kurse Kinder in die Bücherei und vor die Buchseiten holt. Und mit meiner langjährigen Freundin und Grundschulpädagogin Katrin Ackermann aus Lohmar. Sie vermittelt Kindern mit so viel Herzblut Inhalte, Geschichten und Geschicklichkeiten, sie inspiriert die Kinder zum Ausprobieren und selber Tun – für mich die wichtigsten Grundsteine in einem Kinderleben.


Webseite von Astrid Schulte
Titelbild: © Jan Saße „Die drei ??? Kids – SOS Schnitzeljagd“, Kosmos Verlag 2019

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