10 Fragen an Beate Schäfer

© Janine Messerli

Wer sind Sie und wie sieht Ihre Arbeit mit Kinderbüchern aus?

Beate Schäfer, Freiberuflerin mit unterschiedlichen Rollen, die alle mit Schreiben, Büchern, Wörtern zu tun haben. Bis vor zehn Jahren habe ich als Lektorin bei dtv junior gearbeitet, heute übersetze ich Kinder- und Jugendromane, ab und zu auch Romane und Sachbücher für Erwachsene. Außerdem arbeite ich mit Autorinnen und Autoren an ihren Buchprojekten, als freie Lektorin und als Schreibcoach. Große Freude macht mir die Arbeit mit Jugendlichen in Schreibwerkstätten. Schreiben ist dort Experimentierfeld und Verlockung zum Entdecken – sich selbst, die Welt, die anderen in der Gruppe.

Wie würden Sie sich aktuell in drei Hashtags (#) beschreiben?

#mitoffenenaugen #dasgroßeschwirren #windumdieohren

Welches Buch liegt derzeit ganz oben auf Ihrem Nachttisch und warum?

Die großen Stapel von Ungelesenem dürfen nicht ins Schlafzimmer. Neben meinem Bett liegen Peter Handkes Vor der Baumschattenwand nachts und Mirjam Presslers Ich bin’s, Kitty – zur Bestärkung, für schlaflose Nächte, als ständige Begleiter.

Wie beeinflusst Ihre Arbeit mit bzw. für Kinder und Jugendliche Ihre Sicht auf die heutige Gesellschaft und unsere Welt?

Es kommt eine Art Haltung dabei heraus, ist es das? Hinhören auf Einzelne, offenes Interesse für alle, Sinn für das Individuelle und Konkrete. Im Reden über die Welt und das Leben auf Augenhöhe sein. Und – auch wenn so vieles drängt – besser ein liebevoller Weltzugang als Pessimismus und Katastrophenstimmung. Wie Touran Mirhadi, Kinderbuchaktivistin aus dem Iran, sagte: „Love is the engine, love will get the work done.“

Was ist die treibende Kraft, auch weiterhin was mit Kinderbüchern zu machen?

Jugendbuch ist etwas, das ich kann und das mir wichtig ist. Eine bestimmte Art von Jugendbuch, die furchtlos ins Leben schaut, große und kleine Fragen stellt und Offenheit aushält. Ich will weiter Geschichten mit in die Welt bringen, menschliche Geschichten, die schöne und schwere, vertraute und fremdartige Erfahrungen erlebbar machen, die beim Lesen berühren und die in Bewegung versetzen. Und hoffe sehr, dass für solche Geschichten weiter Platz sein wird.

Wie begeistern Sie potenzielle Nichtleser für das Buch?

Ganz ehrlich: Mir fehlt da das Sendungsbewusstsein – dieses Sollen, das im Hintergrund steht, ist mir irgendwie unangenehm. Lieber unterhalte ich mich darüber, was jemanden sonst so interessiert. Welche Geschichten, Computerspiele, Filme? Welche Themen, welche Beschäftigungen? Manchmal geht es dann mit etwas Handverlesenem weiter, einer Graphic Novel vielleicht. Manchmal ist der Austausch genug.

Was macht für Sie ein gutes Kinderbuch aus?

Dass echte Menschen darin vorkommen und dass ich beim Lesen mehr über sie begreife, mit ihnen lebe, weine und lache. Dass ich Untertöne, Zwischentöne höre und über die Sprache staune. Dass nicht alles ausgesprochen wird. Dass die erzählte Welt schillert. Bei Kinderbüchern mag ich dazu einen irgendwie freundlichen Blick – Jugendromane dürfen auch krass sein und radikale Fragen stellen.

Wie hat sich Ihre Arbeit mit fortschreitender Digitalisierung verändert?

Recherche und Austausch über Manuskripte gehen viel leichter und schneller, das ist gut, und es gibt immer wieder Schönes und Interessantes zu lesen und anzuschauen. Für mich selbst ist der Kern bei allem das Gespräch, der persönliche Austausch. Dafür taugen mir persönlich Social Media und andere digitale Formen nicht so sehr.

Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie und warum?

Facebook, aber fast nur zum Lesen, was die anderen so treiben. Neulich habe ich auch mal wieder in XING reingeschaut, den Account hatte ich ganz vergessen. Ich liebe Netzwerke, pflege sie aber lieber in anderer Form.

Mit welchem Kinderbuchmenschen sollten wir dieses Interview unbedingt mal führen?
Diese Frage bringt mich ins Trudeln, mir fallen einfach zu viele Leute ein. Tamara Bach. Wenn die noch nicht gefragt wurde, dann auf jeden Fall Tamara Bach. Und wenn ich seitwärts denke, außerhalb von Verlagen, Autorinnen und Autoren und anderen üblichen Verdächtigen, dann fällt mir Anna Becchi ein, Übersetzerin und umtriebige Kulturvermittlerin mit vielen verschiedenen Hüten. Oder Roya Maktabi, Bibliothekarin mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendbuch, die – anscheinend muss der Iran noch mal vorkommen ☺ – durch ihre Herkunft aus der iranischen KJL-Szene Dinge vielleicht aus einer etwas anderen Perspektive betrachtet. Oder Katharina Lemling, Buchhändlerin bei Lehmkuhl in München? Zu viele Leute, genau. Aber das ist ja schön.


Titelbild: © Privat, Porträt (Ausschnitt): © Janine Messerli

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